Berühren die Vögel mit ihren großen Flügeln zwei stromführende Teile gleichzeitig, können sie einen Stromschlag erleiden.

Allein für Brandenburg weist die Staatliche Vogelschutzwarte laut Nabu mehr als 350 Weißstörche nach, die in den vergangenen 20 Jahren an Verbrennungen durch Stromschläge starben. Östlich der Elbe verzeichnen Storch-Experten des Nabu unabhängig davon leichte Bestandsrückgänge, wie es am Mittwoch in einer Mitteilung hieß. In Brandenburg seien in diesem Jahr weniger Jungtiere geboren worden als nötig für den Erhalt des Bestands. Teils hätten die Störche verspätet mit Brüten begonnen, weil das Wetter während des Vogelzugs ungünstig war.

Wie viele Vögel insgesamt an Mittelspannungsleitungen unkommen, ist unbekannt. Nabu-Schätzungen gehen für Großvögel in die Tausende. Betroffen seien neben Störchen auch Greifvögel und Eulen. Nach Angaben des Nabu-Fachmanns Eric Neuling wird nur ein kleiner Teil der verendeten Vögel gefunden. Sie würden von Beutetieren geschnappt.

Das Problem ist nicht neu, und selbst mögliche Schutzvorkehrungen sind bekannt, sagte der Biologe Klaus Richarz. Er ist Vorsitzender der Gruppe Vogelschutz beim Forum Netztechnik und Netzbetrieb im Verband der Elektro- und Informationstechnik VDE. Auf den VDE verweist auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft bei diesem Thema. Richarz betonte, es gebe seit 2002 Gesetze für Netzbetreiber. An deren Umsetzung hapere es. Der Biologe sieht die Naturschutzbehörden in der Pflicht: "Sie wären gefragt, Regelungen zu kommunizieren und nachzuhaken."