Ob der Winter streng ist oder mild, ob die Waldbäume voll oder leer sind - der Haussperling kann sich gut anpassen und folgt dem Menschen in seine Kulturlandschaft. Und so bleibt er, auch Spatz genannt, ungeschlagener Seriensieger bei der Nabu-Aktion. Unter den fünf am häufigsten registrierten Wintervögeln gibt es keinerlei Veränderungen zum Vorjahr: Es führt der Haussperling mit 6,42 Vögeln pro Garten vor Kohlmeise, Blaumeise, Feldsperling und Amsel. Das teilt der Nabu als Zwischenergebnis mit. Brandenburg und Sachsen liegen in der Rangliste der Sichtungen über dem Bundesdurchschnitt: 8,66 Spatzen pro Garten sind in der Mark gezählt worden, in Sachsen 6,88 und in Mecklenburg-Vorpommern sogar 13,34 Vögel.

Auch in Lausitzer Gärten ist der Spatz häufiger als die Kohlmeise gesichtet worden. In Cottbus 557-mal, in Elbe-Elster 977-mal, in Oberspreewald-Lausitz 1315-mal. Ausnahmen bilden der Landkreis Dahme-Spreewald und der Kreis Görlitz: Hier tauchte die Kohlmeise noch öfter auf.

Aufgrund des milden Wetters in ganz Europa zogen insgesamt weniger Vogel aus dem Norden und Osten Europas ein. Viele Waldvögel wie z.B. Buntspecht, Kleiber und Eichelhäher finden derzeit in den schneefreien Wäldern genügend Nahrung und

wurden daher weniger an den Futterstellen im Garten gesichtet.

Ganz genau beobachten die Naturschützer die eingehenden Daten zu Amselsichtungen. „Es scheint“, so Manuela Brecht, Naturschutzreferentin beim Nabu Brandenburg, „dass sich in unserer Region das Usutu-Virus, welches in anderen Gegenden

Deutschlands die Amselpopulation stark reduziert, bei uns noch nicht so stark ausgewirkt hat. Genaueres lässt sich aber erst nach der Frühjahrszählung „Stunde der Gartenvögel“ sagen. Aufgrund des milden Winters sind die hier brütenden Amseln noch gar nicht weggezogen und skandinavische Amseln fliegen zusätzlich ein. „Das führt dazu, dass wir momentan gegenüber dem Vorjahr sogar ein leichtes Plus von fünf Prozent haben“, sagt Brecht.

Weiterhin bergab geht es mit dem Grünfink, aber das nicht nur in Brandenburg. Bundesweit reduziert die Ansteckung mit Trichomoniasis die Grünfinkenbestände. „Wir hoffen, dass die größte Infektionswelle in Brandenburg vorbei ist und sich die Bestände demnächst stabilisieren, wenn auch auf niedrigem Niveau.“ Siegfried Jesse, Vorstandsmitglied im Senftenberger Nabu, kann die bundesweiten Beobachtungen bestätigen: „Ich habe schon ewig keinen Grünfinken gesehen, nur Kohlmeisen.“ Er beginne immer im Oktober, Futter zu streuen, damit sich die Vögel daran gewöhnten. Einen einzigen Grünfink habe er seitdem gesichtet. Als Ursache sieht Jesse das generell den Mangel an Nahrung und Brutmöglichkeiten. Wenn überall im Herbst die Hecken geschnitten werden, auch noch mit Beeren dran, dann fehle den Vögeln eben das Winterfutter. Deshalb, rät der Naturschutz-Experte, immer was dran und stehen lassen. Gerade für Amseln sei ein alter, weicher Apfel ein Leckerli.

Die „Stunde der Wintervögel“ ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmach-Aktion. Und die Naturschützer freuen sich über wachsenden Zulauf und hoffen, dass immer mehr Menschen ihren eigenen Garten als wichtiges Mini-Naturschutzgebiet begreifen und entsprechend gestalten.