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| 09:29 Uhr

MZA-Besitzer will sich von Rennpiste in Alteno trennen

Sammy Tosuner (45), Eigentümer der Mehrzweckanlage (MZA) bei Luckau, hat keine Lust mehr. Er will den Veranstaltungsort des Berlinova verkaufen.
Sammy Tosuner (45), Eigentümer der Mehrzweckanlage (MZA) bei Luckau, hat keine Lust mehr. Er will den Veranstaltungsort des Berlinova verkaufen. FOTO: Tilo Winkler
Die Mehrzweckanlage (MZA) im Luckauer Ortsteil Alteno (Landkreis Dahme-Spreewald) soll verkauft werden. Eigentümer Sammy Tosuner (45) will nach eigenen Angaben die Region verlassen und in Baden-Württemberg beruflich einen Neuanfang wagen. Damit ist fraglich, ob es in diesem Jahr überhaupt Veranstaltungen auf dem ehemaligen Militärflugplatz geben wird. Tilo Winkler

"Ich verhandele zurzeit mit einer schweizerisch-deutschen Unternehmensgruppe. Die Firma möchte die MZA erwerben", erklärte Tosuner gegenüber der RUNDSCHAU. Er wiederum wolle künftig in Baden-Württemberg tätig sein. "Mir wurde ein gut bezahlter Job als Geschäftsführer einer bekannten Spielstätte angeboten", sagte der 45-Jährige. Mehr Details wollte der Berliner nicht nennen. Die Anlage in Baden-Württemberg sei in kommunaler Hand. Die Eigentümer-Gemeinde wünsche sich eine höhere Auslastung, so Tosuner. "Da kann ich was gestalten."

Siebenstelliger Kaufpreis
Die potenziellen Käufer der MZA im Luckauer Ortsteil Alteno wiederum würden, so es zum Deal kommt, die Anlage vor allem für interne Zwecke nutzen, zum Beispiel für Tests, sagte Sammy Tosuner. Vielleicht gebe es dann gar keine, vielleicht drei öffentliche Veranstaltungen im Jahr. "Sie werden wohl als erstes einen Zaun um die MZA ziehen", so der bisherige Eigentümer. Knackpunkt bei den Verhandlungen sei der Preis. "Da gehen unsere Vorstellungen noch weit auseinander", erklärte Tosuner. Gut siebenstellig müsse der Kaufpreis sein, er werde jedoch "deutlich unter fünf Millionen Euro bleiben", sagte Sammy Tosuner und grenzt damit seine Vorstellungen nur grob ein. Die Rennpiste in Alteno sei das Geld wert. Allein das Aufschütten der Lärmschutzwälle habe mehr als eine Million Euro gekostet, so der 45-Jährige. "Außerdem ist es eine der wenigen Anlagen in Deutschland, die eine uneingeschränkte Ganzjahreszulassung hat."

Welche Auswirkungen die Verkaufspläne auf den Veranstaltungskalender 2006 haben, sei noch nicht absehbar, so Tosuner. Der Kalender sei gesetzt. "Ich muss die Besucher aber um Verständnis bitten, dass momentan keine Termine veröffentlicht werden", sagte der MZA-Eigentümer. "Die Investorengruppe will den Platz nur vertragsfrei kaufen." Alles hänge vom Verhandlungsverlauf ab. Vieles laufe momentan "auf Zuruf". Er könne mit den Veranstaltern von Berlinova-Festival & Co. derzeit keine Mietverträge für die MZA zeichnen.

"Es gibt vier Varianten", so Tosuner: "Der Verkauf klappt und ich gehe weg, der Verkauf klappt und ich bleibe", so der 45-Jährige. Variante drei: Der Deal misslinge, aber er gehe trotzdem. "Oder die schlechteste aller Varianten tritt ein: Es bleibt so, wie es ist."

Er habe "keine Lust mehr", begründet Sammy Tosuner seinen Plan, die Region zu verlassen. "Ich habe mich in den vergangenen 15 Jahren verschlissen, jeden Cent in die MZA gesteckt", sagte Tosuner. "Meine Knie sind durchgescheuert von all den Bittgängen."

Kritik am Land Brandenburg
Vor allem der Streit um die Fördermittelpraxis des Landes Brandenburg habe ihm zugesetzt. Tosuner kritisiert seit Jahren die Förderung des benachbarten Lausitzringes und hatte sich sogar an die Wettbewerbskommission der EU gewandt (die RUNDSCHAU berichtete). Außerdem sei das vergangene Jahr auf der MZA für die meisten Veranstalter "eine Katastrophe" gewesen. Dazu habe nicht nur das Wetter beigetragen. "Die wirtschaftliche Lage ist schwierig", sagte Tosuner. "Die Leute haben weniger Geld in den Taschen. Gleichzeitig explodieren die Kosten." Die Veranstalter könnten aber nur einen bestimmten Eintrittspreis verlangen. Auch beim Catering an den Bier- und Wurstständen gebe es Preisobergrenzen. "Die Luft ist raus", so Tosuner.

Er hatte den alten Militärflugplatz nach der Wende gekauft und zu einer Rennpiste umgebaut. Tosuner verletzte sich 1997 bei einem der Dragsterrennen mit seinem Düsenauto schwer. Viertelmeilen-Rennen, das Musikfestival Berlinova sowie die Treffen der VW- und Opel-Fans gehörten zum Aushängeschild der MZA in Alteno. Vor allem die Markentreffen erhielten jedoch zunehmend Konkurrenz durch ähnliche Veranstaltungen auf dem Eurospeedway Lausitz.