" Komm nach Schwarzkollm, zur Schwarzen Mühle": Dieser Aufforderung folgen längst viele Anhänger der Krabat-Legende. Die bekannteste Figur aus der sorbischen Sagenwelt animierte den Schriftsteller Otfried Preußler zu einem seiner erfolgreichsten Werke. Nach seiner literarischen Vorlage kam 2008 "Krabat" als Film in die Kinos. Seither spürt der kleine Ort unweit von Hoyerswerda (Landkreis Bautzen) enorm mehr Zuspruch. "Das hat einen Schub gebracht", erzählt Tobias Zschieschick, kann es aber nicht mit Zahlen belegen. Er ist stellvertretender Vorsitzender des rührigen Vereins, der am Ortsrand von Schwarzkollm die "Krabatmühle" entstehen lässt.

Der Erlebnishof liegt ganz in der Nähe der Stelle, wo die Schwarze Mühle gestanden haben soll. Der Legende nach ging der Waisenjunge Krabat dort beim Schwarzen Müller in die Lehre. Preußlers preisgekrönter Jugendroman verhalf der Geschichte aus der sorbischen Lausitz zu Ruhm. Das 1971 erschienene Werk wurde immerhin in 31 Sprachen übersetzt.

Nach dem Buch hat nun offensichtlich auch der Film dazu beigetragen, dass es zunehmend Touristen aus dem ganzen Bundesgebiet und sogar dem Ausland nach Schwarzkollm zieht. Knapp zwei Millionen Besucher sahen "Krabat" in den deutschen Kinos, berichtet Holm Große, Geschäftsführer der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien. "Damit wuchs das bereits bestehende Interesse für den Ursprungsort der Krabat-Sage natürlich gewaltig."

Der Krabat-Verein erwarb am Koselbruch ein etwa 10 000 Quadratmeter großes Gelände, das sich seit 2006 sichtlich verwandelt hat, anfangs maßgeblich durch ehrenamtliches Engagement. Beim Bau des Gesindehauses etwa halfen freireisende Wandergesellen aus ganz Deutschland. Später kam ein Laubengang hinzu, mit der Schwarzen Kammer im Turm für magische Lesungen und Workshops. In den vergangenen zwei Jahren konnte der Verein schließlich die Schwarze Mühle mit Fördermitteln errichten lassen.

Das Gebäude wirkt urig, mystisch, robust, wie wohl auch das Original gewesen sein mag. Eine Fachwerkscheune aus der Umgebung wurde dazu nach Schwarzkollm umgesetzt, der Mühlenturm mit meterdicken Mauern und dem mächtigen Wasserrad aus Lärchenholz angebaut, berichtet Zschieschick. Die Mahltechnik besorgte sich der Verein aus zwei alten Mühlen in Ostsachsen und Brandenburg. Beim Einbau half Gottfried Schumann aus Mulda bei Freiberg, einer der noch wenigen existierenden Fachleute für das alte Handwerk.

Am Pfingstmontag, dem Deutschen Mühlentag, wird die Technik nun offiziell in Betrieb genommen. Besucher werden dabei nicht nur Wasserrad, Mahlsteine, Rüttelschuh und Räderwerk in Bewegung sehen. Der Bau ist zudem mit Kulissen und Requisiten aus dem Kinofilm ausgestattet. Schwarze, von Hand beschlagene Holzwände, Lampen, Krüge, Holzeimer und Sitzbänke konnte sich der Verein unter anderem kostenlos aus Bottrop (Nordrhein- Westfalen) holen, wo Innenaufnahmen für "Krabat" im Studio gedreht worden waren.