"Mir war klar, dass ich nach dem Gesetz etwas Unrechtes tat", verlas Anwalt Klaus Bartl zum Prozessauftakt. Die Frau habe sich nach abschlägigen Entscheidungen nicht anders zu helfen gewusst. "Sie wollte Gerechtigkeit." Ein Gutachter hatte das Kindeswohl wegen Überbehütung gefährdet gesehen und der Frau eine psychische Störung attestiert. Ihre Beschwerde gegen den Sorgerechtsentzug war abgelehnt worden.

Die Anklage wirft der Fremdsprachenassistentin Kindesentziehung und Freiheitsberaubung vor und ihren Eltern Beihilfe. Sie sollen damals die Sozialbetreuerin festgehalten haben. Sie hätten erst kurz vor der Tat von den Plänen der Tochter erfahren und von einer Flucht ins Ausland gar nichts, betonten sie vor Gericht. Mutter und Sohn lebten ein halbes Jahr in Slowenien, ehe sich die Frau im Januar 2014 stellte. Inzwischen hat sie das Sorgerecht für den Jungen zurück, der Haftbefehl ist aufgehoben. Nach anderthalb Jahren in Betreuung leben Mutter und Kind wieder in ihrer Wohnung im Haus der Großeltern.