BKA-Präsident Jörg Ziercke geht inzwischen von einem Netz von Tätern aus. Es sei wahrscheinlich, "dass es in Deutschland Mitwisser und Helfer gegeben hat", sagte er gestern. Deutsche und libanesische Ermittler setzten in Beirut nach dessen Teilgeständnis das Verhör des mutmaßlichen Bombenleger Jihad Hamad (20) fort, der nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen mittlerweile als Hauptverdächtiger gilt. Die Befragung, an der auch deutsche Ermittler teilnahmen, konzentrierte sich nun darauf, ob die Tatverdächtigen einer bekannten Extremisten-Organisation angehörten.
Die libanesische Polizei vernahm auch einen Angehörigen des in Kiel verhafteten mutmaßlichen Attentäters. Er wurde in Gewahrsam genommen.
Nach bisherigem Ermittlungsstand gehe das Bundeskriminalamt (BKA) von einer terroristischen Zelle in Deutschland aus, sagte Ziercke in der ARD. Ob es einen Zusammenhang mit der libanesischen Organisation Hizb ut-Tahrir gibt, sei noch nicht klar.
Dem gestern in Konstanz festgenommen Mann, der nach Sicherheitskreisen ein Libanese ist, wird Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ebenso vorgeworfen wie versuchter Mord in einer Vielzahl von Fällen und das versuchte Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. Der Mann stamme aus dem Umfeld des in Kiel verhafteten mutmaßlichen Attentäters Youssef Mohamad El Hajdib (21), teilte die Bundesanwaltschaft mit. Das Zimmer des Mannes im Studentenwohnheim am Bodensee wurde durchsucht, Experten des Bundeskriminalamtes sicherten Spuren.
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft ist noch offen, "ob und inwieweit" der Verdächtige aus Konstanz in die Vorbereitungen der misslungenen Anschläge auf Regionalzüge vor rund dreieinhalb Wochen eingebunden gewesen sei. Im Laufe des heutigen Samstags werde entschieden, ob ein Haftbefehl beantragt und der Mann dann dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe vorgeführt werde, hieß es. Sicherheitskräfte hatten am frühen Morgen die Anlage der Studentenwohnungen umstellt, ein Sondereinsatzkommando stürmte das Gebäude. Unter anderem wurde ein Laptop sichergestellt. Es bestehe der Verdacht, dass der tragbare Computer El Hajdib gehörte.
Dieser hatte nach Erkenntnis der Ermittler eine Laptoptasche gekauft. Ein entsprechendes Gerät sei bei der Durchsuchung in Kiel jedoch nicht gefunden worden. Kennengelernt hätten sich Hamad und El Hajdib nach einem Zeitungsbericht nicht im Libanon, sondern erst in Deutschland, soll El Hajdib ausgesagt haben. (dpa/uf)