Es geht um 300 000 Euro, die im April 2005 für einen Kredit aus der Vereinskasse geflossen und offensichtlich in dunklen Kanälen versickert sind.
Das Schiff FCE war damals schwer Leck geschlagen. Sportlich kämpften die Fußballer gegen das Versinken in die Regionalliga, das FCE-Präsidium finanziell um die Sicherung des Vereins und damit des Profifußballs. Ein Ex-FCE-Fußballer trug seinerzeit die SOS-Signale des Präsidiums um Mithilfe beim Abdichten von riesigen Finanzlöchern im Gesamtumfang von 4,5 Millionen Euro zum Sechs-Tage-Radrennen nach Berlin. Dort erhörte ein ehemaliger bekannter Radsprinter, Volker T., die Rufe und versprach Rettung durch eine US Financial Group, als deren europäische Vertreter er sich und einen Partner in Gera ausgab. Mit ins Boot geholt wurde im Laufe der Verhandlungen ein Rechtsanwalt aus Chemnitz als Verwalter eines Treuhandkontos. Darauf flossen 300 000 Euro aus der Vereinskasse des FC Energie. Diese sollten die Grundlage für einen Kredit von 2,2 Millionen Euro zur Entschuldung des Vereins und damit für die Fahrt in einen sicheren Hafen sein.
Aus diesem Geschäft ist nichts geworden, weil laut Staatsanwaltschaft wohl nie der ernsthafte Wille und die finanzielle Potenz der vermeintlichen Geldgeber gegeben waren. Diese hat deshalb den mutmaßlichen Finanzhai Volker T. wegen schweren und gewerbsmäßigen Betrugs beim Landgericht Cottbus angeklagt. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Dieser ist gegenwärtig außer Vollzug. T. musste seinen Reisepass abgeben. Sein damaliger Partner sowie der Rechtsanwalt müssen sich wegen Beihilfe beziehungsweise wegen schwerer Untreue verantworten. Ex-Präsident Dieter Krein kann noch immer nicht verstehen, dass der FCE von mutmaßlichen Kredithaien noch tiefer in den drohenden wirtschaftlichen Untergang getrieben wurde. „Wir hatten Verträge und es schienen seriöse Leute zu sein“ , erinnert er sich und gibt zu: „Wir haben viel zu spät gemerkt, dass wir gelinkt wurden.“ Knapp vier Monate hoffte Krein, mithilfe der US Financial Group das Vereinsschiff doch noch in ruhigeres Fahrwasser steuern zu können. Laut Anklage wurde am 24. Februar 2005 ein erster Vertrag über die Gewährung von 1,5 Millionen Euro unterschrieben. Als Sicherheit sollen Zuschauereinnahmen angeboten worden sein. In mehreren weiteren Verhandlungen wurden dann sogar eine Geldspritze über 2,2 Millionen Euro vereinbart. Den damals bescheidenen Verhältnissen angepasst, erfolgten die Vertragsunterschriften in einem Schnellrestaurant in Lübbenau. Zunächst sollten die 300 000 Euro direkt auf ein Konto in Miami, USA, überwiesen werden. „Offensichtlich hatten die Leute mitbekommen, dass diese Summe noch in der FCE-Kasse war“ , vermutet ein Ermittler. Als Krein die Direktüberweisung verweigerte, wurde bei einer Bank in Chemnitz ein Treuhandkonto eingerichtet. Im März floss das geforderte Geld, das zuvor von Sponsoren eingesammelt worden war, dorthin und wurde dann laut Anklage im April 2005 in drei Margen per Überweisungen und einer Barabhebung umgeleitet. „Wir haben für die Auszahlungen vom Treuhandkonto nie eine Zustimmung gegeben“ , ereifert sich Krein.
Die Aussichten, dass das Geld wieder auftaucht, sind nicht rosig, selbst wenn sich neben Strafrichtern in Cottbus demnächst erneut Zivilrichter in Chemnitz um Aufklärung bemühen. Vor denen muss Rechtsanwalt Peter M. erklären, warum er das Geld vom Treuhandkonto nahm. In einem ersten Verfahren war er zur Rückzahlung der 300 000 Euro an den FCE verpflichtet worden. Weil das Oberlandesgericht dieses Urteil im Juli 2006 kassierte, muss erneut verhandelt werden. Das Strafverfahren in Cottbus ist davon nicht unmittelbar berührt.