Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) gab der Uni-Debatte in Cottbus, zu der RUNDSCHAU und RadioEins geladen hatten, den Vorzug vor der Kabinettssitzung in Perleberg (Prignitz). Im Saal des neuen Cottbuser Stadthauses, dessen Multimedia-Kanäle noch nachjustiert werden müssen, verteidigte sie am Dienstagnachmittag die geplante Fusion von Brandenburgischer Technischer Universität (BTU) und Hochschule (FH) Lausitz zu einer neuen BTU Cottbus-Senftenberg.

"Die künftige finanzielle Situation für die Hochschulen in der Lausitz war noch nie so sicher wie jetzt", warb sie um Zustimmung für das Neugründungsgesetz. Auf Änderungswünsche sei in den vergangenen Monaten weitgehend eingegangen worden. Doch überzeugen konnte sie damit ihre eingefleischten Kritiker kaum.

BTU-Präsident Walther Ch. Zimmerli blieb bei seinem klaren Nein zur Fusion und verwies auf inzwischen drei eigene Vorschläge, die von Professoren von BTU und Fachhochschule erarbeitet worden seien. "Wir werden mit dieser Arbeit weitermachen, egal, wie das Land entscheidet", kündigte er an. Darauf reagierte der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates des Ministeriums, Wolfgang Krüger, verärgert. "Statt uns mit den Chancen für die Hochschulregion Lausitz zu beschäftigen, wird eine rückwärtsgewandte Debatte geführt", erklärte der Cottbuser IHK-Hauptgeschäftsführer. Hier könne etwas Modellhaftes entstehen, aber wertvolle Zeit werde "mit der Wahrung von Besitzständen von Lehrstuhlinhabern" vertan.

Krügers Vision von einer kleinen, attraktiven Universität in der Lausitz trägt auch Marie-Luise von Halem mit. Die Bildungsexpertin der Grünen im Landtag erneuerte zugleich ihren Vorwurf an die Ministerin, dass die zugesagte finanzielle Aufstockung für die kommenden fünf Jahre nur eine Mogelpackung sei. Darauf heben auch User über Facebook und Twitter ab, deren Fragen RUNDSCHAU-Onlineredakteur Sven Bock in das Forum einbringt. Sabine Kunst reagiert darauf und auf die finanziellen Forderungen des Cottbuser Oberbürgermeisters Frank Szymanski (SPD), indem sie zehn Prozent mehr Mittel zu den bisherigen 66 Millionen Euro für beide Hochschulen zusichert.

Der Chef des Wissenschaftsausschusses, Jens Lipsdorf (FDP), für den die Uni-Fusion gelingen kann, wenn das Projekt auch ausfinanziert werde, wird sich heute in dem Landtags-Gremium mit mehr als einem Dutzend Änderungsanträgen befassen müssen. So auch mit dem Antrag der Grünen, das Verfahren zur Uni-Neugründung auszusetzen und einen 16-köpfigen Lausitz-Rat einzuberufen. Er soll alle Beteiligten vor Ort besser in die Debatte einbeziehen. "Wenn diese Fusion gelingen soll, dann müssen den Menschen in der Lausitz die Gründe dafür plausibel gemacht werden", begründet von Halem den Vorstoß.

Der Spremberger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze - dessen Landes-CDU das Gesetzesvorhaben ablehnt, beim Forum aber kurzfristig abgesagt hatte - führt die Gemeindegebietsreform an, bei der das Land Zusicherungen gemacht habe, die nicht eingehalten wurden. Die Stadtverordneten hätten sich deshalb von dem Marketingexperten BTU-Professor Daniel Baier die Chancen der Uni-Fusion erläutern lassen. Baier habe den Plänen der Ministerin ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Im Forum legte Baier nach und prophezeite, dass dieses Projekt gegen den Baum gefahren werde. "Niemand hat bisher erklärt, was durch die Fusion gewonnen wird", sagte Baier.

Das sieht Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) ganz anders. Eine starke, attraktive Lausitzer Universität mit den drei bisherigen Standorten sei die richtige Antwort auf den demografischen Wandel. Es komme jetzt darauf an, Wissenschaft, Forschung und Lehre in hoher Qualität zu sichern. Senftenberg könne mit den neuen Gesundheitswissenschaften da eine gute Rolle spielen. Deshalb plädiert Fredrich wie die Vizefraktionschefin der SPD im Landtag, Susanne Melior, dafür, mit dem Gesetz Klarheit zu schaffen. "Längeres Warten kann nur Schaden anrichten", warnte Melior. Es müsse jetzt ein "mutiger Schritt nach vorn gegangen werden", damit Studenten und Mitarbeiter Sicherheit bekämen, wie es weitergeht. Birgit Wöllert von den Linken kündigte an, dass in ihrer Fraktion bei der Abstimmung über das Uni-Gesetz ein Abgeordneter dagegen stimmen und sich einer enthalten werde.

lr-online.de/unidebatte

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Die Cottbuser Live-Debatte war die letzte Möglichkeit, Positionen auszutauschen und Veränderungen am Gesetz zur Neuordnung der Hochschullandschaft in der Lausitz anzuregen. Denn schon am heutigen Mittwoch legt der Wissenschaftsausschuss im Landtag letztmals Hand an den Gesetzentwurf an und leitet ihn ins Parlament zurück. In der kommenden Woche stimmen die Abgeordneten dann in zweiter Lesung ab. Eine Zustimmung durch Rot-Rot gilt als sicher.