Da die Muslimbrüder seit dem Sturz von Husni Mubarak mit dem Militär über die Zukunft des Landes verhandeln und außerdem bereits unter dem Ex-Staatschef als Oppositionsgruppe einen immensen Einfluss hatten, werden ihnen gute Siegchancen eingeräumt.

Ihr politisches Bündnis nennt die Bruderschaft „Partei der Freiheit und der Gerechtigkeit“. Die Bruderschaft war seit 1954 offiziell in Ägypten verboten, sie wurde aber toleriert und entsandte auch Vertreter ins Parlament, die als Unabhängige kandidierten. Bei den Wahlen 2005 erlangten sie fast 20 Prozent der Stimmen. Nach dem Ende der Mubarak-Herrschaft gründeten sie nun ihre eigene Partei, um offiziell an den Wahlen teilnehmen zu können.

Die Muslimbruderschaft ist die älteste sunnitisch-islamistische Bewegung. Sie wurde 1928 gegründet. Ihre Lehre folgt dem „Tauhid“, der Einheit zwischen Staat und Islam. In ihrer Geschichte pendelte die Bruderschaft zwischen gewalttätiger Opposition und Zusammenarbeit mit der Führung, zwischen Einsatz für einen islamischen Staat und Bekenntnissen zur Demokratie. Sie festigte jahrzehntelang ihren Einfluss in der ägyptischen Gesellschaft. Sie ist besonders aktiv in den Moscheen, kümmert sich um Bedürftige und hat zudem Einfluss auf Universitäten und Gewerkschaften.