Nazi-Koppelschlösser verziert mit Sowjetsternen, Militärabzeichen oder russisches Feldbesteck mit kyrillischen Buchstaben: Hinterlassenschaften von Rotarmisten sind nun im Brandenburger Landesmuseum zu sehen. "Die Relikte wurden erst vor wenigen Jahren entdeckt", sagt Kurator Thomas Kersting vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum. Erst Hinweise von ehrenamtlichen Denkmalpflegern brachten Archäologen vor etwa drei Jahren auf die Spur. "Dieser Abschnitt der Geschichte war einfach vergessen worden."

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende werde mit der Schau an ein bislang weitgehend unbekanntes Kapitel erinnert, sagte Kersting. Im Frühjahr 1945 lagerten über Wochen in Brandenburger Wäldern Tausende Rotarmisten. Militärisch korrekt wurden die Behausungen angelegt: Rechteckige Gruben von vier mal sechs Meter Länge, mit Zugang an der Schmalseite. Etwa einen Meter tief wurden die Blockhäuser aus Holz - russisch "semljanka" (Erdhütte) - in die Erde gegraben. Etwa sechs Soldaten lebten darin.

"Zwischen Elbe und Oder gab es zig dieser Erdhütten", sagte Kersting. In der Regel schliefen die Soldaten auf dem mit Stroh ausgelegten Erdboden. Zum Beheizen der Unterstände wurden Kessel zu Öfen umfunktioniert. Für die Offiziere habe es möglicherweise komfortablere Unterkünfte gegeben. "Baumaterialien stammten vermutlich aus umliegenden Dörfern", sagte Kersting.

In Brandenburg seien derzeit etwa 60 bis 70 Plätze mit Erdhütten bekannt, hieß es. "Spaziergängern fallen sie ins Auge", so Kersting. Fundstücke dürften jedoch nicht einfach mitgenommen werden. Sie müssen an das Landesamt weitergeleitet werden. An drei Stellen waren bislang Archäologen im Einsatz. "Vielleicht erkunden wir weitere Erdhütten", sagte er. "Im Wesentlichen liegt uns aber die unversehrte Erhaltung dieser greifbaren Geschichtszeugnisse an Ort und Stelle am Herzen." Eine Ausgrabung bedeutet die unwiederbringliche Zerstörung aller Zusammenhänge des Fundes. Auch die Historiker stehen bei diesem Thema noch am Anfang.

Die Ausstellung läuft bis 24. Juli. Im Anschluss geht sie an das Deutsch-Russische Museum in Berlin-Karlshorst, an die Gedenkstätte Seelower Höhen und ins polnische Küstrin.