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Museum in Danzig öffnet ohne Veränderung

Das neue Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig beeindruckt auch durch seine außergewöhnliche Architektur.
Das neue Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig beeindruckt auch durch seine außergewöhnliche Architektur. FOTO: dpa
Warschau. Der Streit mit der Warschauer Führung hat das Museum des Zweiten Weltkriegs international bekannt gemacht. Nun präsentieren es die Museumsmacher, wie sie es geplant hatten. Die Zukunft ist noch unklar. Natalie Skrzypczak

Es ist ein Etappensieg für die Macher des neuen Museums des Zweiten Weltkriegs in Gdansk (Danzig): Nach einem monatelangen Streit mit Polens Regierung (die RUNDSCHAU berichtete) öffneten sie Besuchern am Donnerstag die Tür. Bei der Eröffnungsfeier werde auf Pomp verzichtet, sagt Gründungsdirektor Pawel Machcewicz. "Das Museum weckt auch so ein riesiges Interesse im In- und Ausland", erläutert er. "Seit Wochen haben wir täglich Hunderte Anrufe von Menschen, die Tickets reservieren wollen."

Bekannt machten das Haus Versuche der nationalkonservativen Regierung, das von ihren Vorgängern ins Leben gerufene Prestigeprojekt zu übernehmen. Die Partei Recht und Gerechtigkeit PiS könnte die Ausstellung noch vor ihrer Eröffnung verändern, hatten die Museumsmacher in der nordpolnischen Hafenstadt befürchtet. Anlass zur Sorge gab ihnen Kritik aus Reihen der PiS: Die Ausstellung hebe zu wenig die polnische Perspektive auf den Zweiten Weltkrieg hervor, bemängelten Kulturpolitiker, die seit dem Rechtsruck 2015 Werte wie nationale Identität und Patriotismus betonen. Kulturminister Piotr Glinski sprach von möglichen "Korrekturen". Der Focus der Ausstellung auf das Leid der Zivilbevölkerung sei zu universalistisch, hieß es aus Reihen seiner Partei.

Gegen diese Vorwürfe wehrt sich Direktor Machcewicz: "Das Museum des Zweiten Weltkrieges schreibt unsere Erfahrung in den europäischen und weltlichen Kontext, sodass man seine Besonderheiten, aber auch Gemeinsamkeiten mit anderen Nationen besser verstehen kann", meint er.

Familienerbstücke, die von Tausenden Polen gespendet worden seien, machten die Ausstellung besonders authentisch. "Sie bewirken, dass die Vergangenheit zu etwas sehr Lebendigem wird, voller Emotionen," sagt Machcewicz über die Hauptausstellung, die rund 14 Meter unter der Erde im untersten Stockwerk des Gebäudes gezeigt wird. Von Polens Kulturschaffenden erhielt sie bereits viel Zuspruch. In einem Brief an Glinski lobten sie die langjährige Arbeit von Machcewiczs Team und baten den Kulturminister um Unterstützung für das Haus.

Denn Glinski treibt seit Monaten eine Zusammenlegung der Einrichtung mit dem deutlich kleineren Westerplatte-Museum voran. Für die neu entstehende Institution könnte er einen neuen Direktor ernennen - jemanden, der eher den Vorstellungen der PiS entspricht, wie Machcewiczs Team fürchtet.

Bereits zum Februar war vom Kulturministerium die Zusammenlegung der Museen geplant. Doch ein Gericht legte sie nach Klage der Museumsmacher bis zur Klärung des Falls auf Eis.

"Misslich" nannte Glinski das, kündigte aber an, bei seinem Vorhaben zu bleiben. Er übt auch an der bisherigen Museumsleitung Kritik: Sie habe das Budget überzogen und die Eröffnung des Danziger Museums um drei Jahre verzögert. Der Staat drehte den Geldhahn nun zu.

Dennoch bleibt Machcewicz zuversichtlich, dass die staatlichen Mittel bald aufgestockt und der Ticketverkauf Geld einbringen werden. "Für einige Monate wird es reichen", sagt der Kulturschaffende, der das Projekt seit mehr als acht Jahren begleitet. Ungewissheit verursacht bei ihm auch die Frage, ob es dabei bleibt. Die Zukunft des polnischen Museums ist nämlich noch nicht endgültig besiegelt. "Wir warten auf den Gerichtsbeschluss", sagt Machcewicz.