Auf die zehntausenden Gäste - im vergangenen Jahr waren es rund 300 000 - wartet im April das neue Besucherzentrum im Gebäude der einstigen Waffenmeisterei. Mit dem Konzept für Sachsenhausen und für die Gedenkstätte im früheren Frauen-KZ Ravensbrück im Norden Brandenburgs wurde Anfang der 90er-Jahre begonnen. In der DDR sei auch die Erforschung der Geschichte der KZ vernachlässigt worden, erklärt Morsch. "Vor allem in Sachsenhausen waren die Museen und Ausstellungen fast auf dem Stand seit Einweihung der Gedenkstätte 1961 stehen geblieben."
Im Besucherzentrum können sich die Gäste künftig per Multimedia und an einem großen Übersichtsplan über 13 Ausstellungen, darunter in den Jüdischen Baracken 38/39 sowie zum sowjetischen Speziallager, informieren. "Auch die Führungen werden dem veränderten Besucherrundgang angepasst. Sie folgen den einzelnen Haftstationen - von der Einlieferung des Häftlings bis zur Befreiung beziehungsweise bis zur Ermordung."

Ehemaliger Zugang wieder hergestellt
14 Stelen und 23 Tafeln werden künftig Ausstellungen und historische Orte auf dem Areal kennzeichnen. Statt durch den in der DDR angelegten Park führt der Zugang wieder über jene Straße, über die einst die Häftlinge in das KZ und später das sowjetische Lager verschleppt wurden. Erstmals werden sich den Besuchern dann die riesigen Dimensionen des Komplexes erschließen - mit dem einzigen noch weitgehend erhaltenen SS-Truppenlager, den Wohnsiedlungen der SS und der "Inspektion der Konzentrationslager".
Eiskalt weht der Wind an der "Station Z", einst Mordstätte der SS. Im April wird dort mit dem Abriss der alten, verrottenden Betonhalle begonnen. Bis zum 60. Jahrestag der Befreiung im April 2005 soll laut Morsch die neue Überdachung fertig sein. Dann informiert dort eine Dokumentation über "Mord und Massenmord im KZ Sachsenhausen". Im Sommer wird der einstige SS-Wachturm E mit der Ausstellung "Die Stadt und das Lager" wiedereröffnet. "Die Schau soll zeigen, was die Oranienburger über das Konzentrationslager in ihrer Stadt wussten."
Vom 8. November an wird in den Baracken des einstigen Krankenreviers die Dauerausstellung "Medizin und Verbrechen" gezeigt. Dabei geht es unter anderem um medizinische Versuche von NS-Ärzten an Menschen, darunter an Sinti und Roma, unter dem Vorwand der "Rassenhygiene".

Zum Thema Neue Ausstellung
 In der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück wird im Oktober in einem der historischen Gebäude auf rund 400 Quadratmetern eine Dauerausstellung über SS-Aufseherinnen eröffnet. Nach langjähriger wissenschaftlicher Forschung zu Tätern im KZ Ravensbrück sollen biografische und soziale Hintergründe von mehr als 3000 SS-Aufseherinnen beleuchtet werden. "Viele von ihnen ließen sich freiwillig anwerben und beteiligten sich an den Verbrechen", sagt Gedenkstätten-Direktor Morsch.