Gunnar Kurth ist neuer Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Cottbus. In einer Kampfabstimmung setzte sich Kurth am Freitagabend beim Unterbezirksparteitag gegen den Gegenkandidaten Peter Sohst - Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Cottbus-Süd I - mit 29 zu 28 Stimmen und bei einer Enthaltung durch. Dies sagte Gerhard Wenzel, Geschäftsführer der Cottbuser SPD, der RUNDSCHAU.

Kurth folgt als SPD-Chef auf Martina Münch, die nicht mehr antrat. Münch begründet ihre Entscheidung mit dem Problem, Regierungspolitik in Potsdam mit lokaler Parteiarbeit zeitlich unter einen Hut zu bringen. Die Cottbuserin ist seit vergangenem März wieder Mitglied der brandenburgischen Landesregierung - als Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Ihr Entschluss habe schon länger festgestanden, sagte Münch der RUNDSCHAU: "Das heißt nicht, dass ich mich aus der Parteiarbeit in Cottbus und an der Basis zurückziehe." Sie bleibe weiterhin für den Vorstand des SPD-Unterbezirks tätig.

Die SPD-Delegierten stimmten laut Geschäftsführer Wenzel außerdem ohne Gegenstimme einem Initiativantrag zur Kreisgebietsreform zu, der kommende Woche in die Stadtverordnetenversammlung von Cottbus eingebracht werden soll. Demnach plädiert die Cottbuser SPD im Fall eines Zusammenschlusses des Landkreises Spree-Neiße und gegebenenfalls weiterer Kreise mit Cottbus zu einer Einheit für die Stadt als Kreissitz. Dem Vernehmen nach favorisiert ein Teil der Cottbuser Sozialdemokraten eine Drillingslösung mit Spree-Neiße, Dahme-Spreewald und der Kreisstadt Cottbus. Andere sehen einen Lausitzkreis (mit SPN, Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster) mit Cottbus als Verwaltungssitz als sinnvoller an, im Einklang mit der Landesregierung unter Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Für deren mit rot-roter Mehrheit beschlossenes Leitbild hatte im Juli im Landtag auch Martina Münch gestimmt.

Doch eigentlich ist die Grundstimmung in der Cottbuser SPD, inklusive Münch, in der Diskussion um die Kreisreform bisher eine andere gewesen. Zu einer Fusion von SPN, LDS und Cottbus hatte die Stadtpartei zwar schon im Mai Position bezogen, aber Kreisfreiheit wäre den meisten lieber. Diese Option sieht der Reformplan der Landesregierung nicht vor. "Glücklich ist niemand mit dieser Lösung", sagte Ministerin Münch. Sie fügte hinzu, dass nun Konsens im SPD-Unterbezirk sei, dass Cottbus dann eben Kreisstadt eines größeren Gebildes sein müsse.

Für die Kreisfreiheit kämpft vor allem die Cottbuser CDU unter ihrem Oberbürgermeister Holger Kelch. Er befürwortet die Volksinitiative "Bürgernähe erhalten - Kreisreform stoppen", die Unterschriften in der Region sammelt. Dies führte jetzt zu Diskussionen über die Frage, wie weit die Unterstützung der Initiative durch Kelch gehen darf.