Auch vier Jahre nach dem Bildungsgipfel der Regierungschefs von Bund und Ländern ist die Verwirklichung der ausgerufenen Reformziele noch in weiter Ferne. Dies zeigt eine Bilanzstudie des Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Danach ist die Beteiligung an Weiterbildung rückläufig, die angekündigte Halbierung der Zahl der Schulabbrecher wie auch der Ungelernten kommt nur schleppend voran, und für den weiteren Krippenausbau fehlt noch viel Fachpersonal.

Als erfreulich gilt lediglich die erheblich gestiegene Zahl der Studienanfänger - wobei dies Fragen einer ausreichenden Hochschulfinanzierung in den Ländern aufwirft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die 16 Regierungschefs der Länder hatten sich im Oktober 2008 in Dresden auf eine umfangreiche Bildungs-Reformliste verständigt, die bis 2015 umgesetzt werden soll. Die Bundesrepublik solle zur "Bildungsrepublik Deutschland" werden, hatte Merkel gesagt.

Um aber etwa den bereits ab 1. August 2013 geltenden Rechtsanspruch auf ein Betreuungsangebot für unter Dreijährige einzulösen, fehlen derzeit nicht nur 220 000 zusätzliche Plätze in Kitas oder bei Tagesmüttern, sondern auch qualifiziertes Personal - das listet der Bildungsforscher in seiner inzwischen dritten Bilanz zum Bildungsgipfel auf. Allein für die Kindertagesstätten (Kitas) würden im kommenden Jahr 22 400 zusätzliche Fachkräfte benötigt. Dafür reichten aber die Ausbildungskapazitäten bei Weitem nicht aus. Zudem fehlten zwischen 22 000 und 29 000 Tagesmütter - je nachdem, ob sie jeweils drei oder vier Kleinkinder betreuen sollten.

Die Regierungschefs hatten zudem versprochen, die Zahl der Schüler ohne Hauptschulabschluss zu halbieren. Doch ein erfolgversprechendes Maßnahmenbündel, das auch die Sonderschulen einbezieht, sei immer noch nicht in Sicht, schreibt Klemm. Nur schleppend konnte seit 2008 die Schulabbrecherzahl von 7,4 auf 6,2 Prozent eines Jahrganges reduziert werden. Das sind immerhin noch rund 50 000 junge Menschen.

Ähnlich verhält es sich bei jungen Menschen ohne Berufsabschluss. Auch hier sollte die Zahl laut Ankündigung der Regierungschefs halbiert werden. 2008 hatten von den 20- bis 30-Jährigen 17,2 Prozent keinen Berufsabschluss und waren auch nicht mehr in Fortbildung. 2011 waren dies 15,9 Prozent.

Klemm verweist zudem auf den offiziellen Bildungsbericht von Bund und Ländern, nach dem die Beteiligung an Weiterbildung unter den 19- bis 65-Jährigen nicht wie angestrebt gestiegen, sondern gesunken ist - und zwar von 44 auf 42 Prozent. Angepeilt hatten die Regierungschefs eine Quote von 50 Prozent.

Dagegen wurde die angekündigte Anhebung der Zahl der Studienanfänger auf 40 Prozent pro Jahrgang weit übertroffen. Unter Einberechnung der ausländischen Studierenden in Deutschland nehmen 50,9 Prozent eines Jahrganges eine akademische Ausbildung auf. DGB-Vize Ingrid Sehrbrock bezeichnete dies als erfreulich. Jedoch seien die Bundesländer allein hoffnungslos überfordert, den neuen Studierenden auch gute Studienbedingungen zu bieten. Die Mittel aus dem Hochschulpakt seien nahezu aufgezehrt.