Anlass der Aktion war ein schlimmer Verdacht: Beschaffung von Kinderpornografie im Internet. Gestern berichteten drei der Polizisten als Zeugen vor dem Senftenberger Amtsgericht, wie sich diese Durchsuchung abspielte.

Dürrschmidt, seit Dezember vorigen Jahres vom Dienst vorläufig suspendiert, sitzt in diesem Verfahren auf der Anklagebank. In fünf Fällen soll er kinderpornografische Darstellungen im Internet aufgesucht haben, so die Anklage der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Internetkriminalität in Cottbus. Fachleute hatten im Rahmen von umfangreichen Ermittlungen gegen die Kinderpornoszene die Spur aus dem Internet über die Computer-Kennung bis in den Dürrschmidt-Haushalt zurückverfolgen können. Doch dort lebte damals nicht nur der Landrat, sondern auch seine Frau und einer seiner beiden Stiefsöhne. Der junge Mann, damals 18 Jahre alt, war bei der Durchsuchung des Hauses anwesend und sei, so der LKA-Beamte, der den Einsatz leitete, über sein Zeugnisverweigerungsrecht auch bezüglich von Angehörigen belehrt worden.

Der LKA-Beamte und seine beiden Kollegen schilderten dann weitgehend übereinstimmend, was sie an Computern im Hause des Landrates vorfanden: Ein Rechner ohne Internetzugang im Zimmer des Stiefsohnes, ein Rechner mit DSL-Internetzugang im Arbeitszimmer des Landrates und ein früher von ihm benutzter, nicht angeschlossener Rechner im Atelier seiner Frau.

Georg Dürrschmidt, der vor Gericht bisher schweigt, hatte vor dem Prozess gesagt, dass die Familie ein offenes Haus führe, in dem Türen kaum verschlossen seien. Zu den vermeintlichen Tatzeiten sei er außerdem gar nicht in der Nähe seines Hauses, sondern teilweise Hunderte Kilometer entfernt gewesen.

In der Befragung der Polizisten vor Gericht spielte deshalb eine wichtige Rolle, wie leicht zugänglich das von einem Innenhof zu erreichende Arbeitszimmer Dürrschmidts gewesen sei. Die Beamten waren sich sicher, dass die Tür bei der Hausdurchsuchung erst aufgeschlossen werden musste. Zweifel an einem unbekannten Fremden, der von diesem Rechner aus auf die Kinderpornoseiten geklickt haben könnte, erwecken die in zwei Fällen laut Anklage aktenkundigen Tatzeiten: zwischen halb zwei und zwei Uhr morgens.

Ein Kriminalhauptkommissar vom LKA Baden-Württemberg schilderte dem Gericht, wie eine von zwei Spuren nach Großrä schen geführt hatte. Dabei wurde deutlich, dass Kinderpornografie im Netz gut versteckt wird. Ausgangspunkt war ein Server, über den Tausende verschiedene Foren liefen, darunter eines mit dem Namen „Baby-Boys“. Dahinter verbargen sich Bilder vom Missbrauch Minderjähriger.

Der Prozess gegen Georg Dürrschmidt wird noch mehrere Verhandlungstage in Anspruch nehmen. „Vielleicht kommt die Wahrheitsfindung hier auch irgendwann an Grenzen“, gab Richterin Anett Winkler gestern zu bedenken. Für den übernächsten Verhandlungstag sind die Ehefrau und die beiden Stiefsöhne des Landrates als Zeugen geladen. Sie können jedoch als Verwandte jegliche Angaben verweigern. Äußerungen des jüngeren Stiefsohnes bei der Durchsuchung, wer im Hause Dürrschmidt welchen Rechner genutzt hat, ließ die Richterin deshalb gestern auch noch nicht in die Verhandlung einfließen. Eventuell werden die Brandenburger LKA-Beamten deshalb nach dem Stiefsohn noch als Zeugen geladen.