Auf dem Weg nach Berlin hat der nationalistische russische Biker-Club „Nachtwölfe“ am Dienstag Deutschland erreicht. Von Prag, wo sie am Montag Station machten, soll die Fahrt durch Sachsen gehen. Als mögliche Stationen wurden im Vorfeld Aue, Leipzig und Torgau genannt.

Jubel und Gegendemo in Prag

An einer sowjetischen Kriegsgräberstätte in Prag legten die Teilnehmer der Fahrt am Montag Blumen nieder. Begrüßt wurden sie nach Angaben der Agentur CTK unter anderem von dem sozialdemokratischen Parlamentsabgeordneten Jaroslav Foldyna. Dutzende Gegendemonstranten schwenkten vor den Toren des Friedhofs US-amerikanische, Nato- und Europaflaggen.

Auch die Krim liegt auf der Route

Die Tour der „Nachtwölfe“ von Moskau nach Berlin soll an den Vormarsch der Roten Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern. Die Motorradfahrer gelten als Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin und der völkerrechtswidrigen Annexion der ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel Krim durch Russland. Manche Länder sehen in der Tour daher eine Provokation.

Die „Nachtwölfe“ wollen am 9. Mai das sowjetische Ehrenmal in Berlin erreichen. Auf dem Weg dahin, wollen sie in diesem Jahr neue Wege einschlagen. Alexander Saldostanow, genannt „Chirurg“, Präsident der „Nachtwölfe“, erklärte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Sputnik: „Dieses Jahr werden wir in Deutschland durch neue Städte fahren. Das war der Wunsch unserer deutschen Kollegen, die uns in Tschechien treffen.“

Torgau liegt auf dem Weg der Nachtwölfe

Torgau soll ebenfalls auf der Route liegen. Vor den Toren der Stadt trafen zum Ende des Zweiten Weltkriegs amerikanische und sowjetische Soldaten aufeinander.

Eine „russische Staatsoperation“

Etwa ein Dutzend Biker beteiligt sich an der Tour, die am 26. April in Moskau unter dem Titel „Wege des Sieges - nach Berlin“ gestartet ist. Im „Tagesspiegel“bezeichnete der Osteuropa-Historiker Jan Claas Behrends vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam die Aktion als „russische Staatsoperation“. Der Auftritt der paramilitärischen Truppe sei eine gezielte Provokation. 2015 hatten die Nachtwölfe bei ihrer ersten Siegestour unter anderem auf einem Panzer am Deutsch-Russischen Museum Karlshorst posiert.

Wolfskopf als Symbol

Ein zähnefletschender Wolfskopf mit Feuerschweif: Ihren Namen tragen die Rocker vom russischen Motorradclub „Nachtwölfe“ als bunten Aufnäher auf den schwarzen Ledermonturen. Rund 5000 Mitglieder haben die „Notschnyje Wolki“ nach eigenen Angaben in Russland. Der bekannteste Biker ist wohl der Vorsitzende Alexander Saldostanow. Medizinischen Kenntnissen verdankt er seinen Spitznamen „Chirurg“. In den 1980er Jahren arbeitete der heute 53-Jährige als Türsteher eines Westberliner Clubs.

Nachtwölfe an Putins Seite

Kremlchef Wladimir Putin zeigte sich in den vergangenen Jahren wiederholt mit Saldostanow. Ins grelle politische Rampenlicht rückten die „Nachtwölfe“ mit der Krise in der Ostukraine. Führende Mitglieder unterstützen die dortigen Separatisten im Kampf gegen die prowestliche Regierung in Kiew und auch Russlands Einverleibung der Halbinsel Krim. Saldostanow steht deswegen auf Sanktionslisten.

Im RUNDSCHAU-Interview erklärte Saldostanow 2015 den Ursprung der Gedenkfahrt nach Berlin so: „Die Idee entstand schon 2007. Damals erzählte uns eine Kriegsveteranin, wie sie dem Kriegsverlauf auf dem Motorrad von Russland bis Prag gefolgt sei. Leider ist sie inzwischen verstorben. Zu ihren Ehren veranstalten wir das. „

Kritiker werfen den „Nachtwölfen“ vor, nationalistisch und homophob zu sein. Die Gruppe selbst betont, die „traditionellen Werte der russisch-orthodoxen Zivilisation“ zu verteidigen. Bei ihren Motorrädern verlassen sich viele allerdings auf westliche Fabrikate.

Ein Teil der Rocker gilt als eher unpolitisch. Saldostanow weist auch daher Vorwürfe zurück, die Biker wollten mit ihrer „Siegesfahrt“ von Moskau nach Berlin provozieren. „Eine Provokation ist es, uns das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg zu verwehren“, sagte er einmal.