Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft haben am Mittwoch Fotos des 27-jährigen Schwagers der vermissten 15-jährigen Rebecca, der sich aufgrund eines Haftbefehls wegen Totschlages in Untersuchungshaft befindet, veröffentlicht. Außerdem wurden Bilder eines himbeerroten Renault Twingo veröffentlicht, der der Familie der Schwester des Tatverdächtigen gehört und mit dem der Verhaftete am Tag nach dem Verschwinden des Mädchens allein unterwegs gewesen sein soll.

Hintergrund ist die Tatsache, dass dieser Renault Twingo am 18. Februar um 10.47 Uhr und am 19. Februar 2019 um 22.39 Uhr auf der A 12 zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) von einem automatischen Kennzeichenerfassungssystem registriert wurde. „Nach bisherigem Ermittlungsstand hatte zu diesen Zeiten allein der 27-jährige Schwager Zugriff auf diesen Pkw“, heißt es in einer Mitteilung.

Haare von Rebecca im Kofferraum

Laut früheren Berichten waren im Kofferraum des Fahrzeugs Haare der Vermissten sowie Fasern einer lila Fleecedecke gefunden worden, die ebenfalls verschwunden ist. Ein Foto der circa 1,50 Meter mal zwei Meter großen Decke wurde ebenfalls von der Polizei veröffentlicht. Offenbar geht es um den Verdacht, dass der Schwager am Vormittag, an dem Rebecca verschwand, die Leiche des Mädchens in Brandenburg versteckte und sie am Abend des folgenden Tages dort vergrub oder sich ihrer auf andere Weise entledigte.

Die mit der Ermittlung befasste 3. Mordkommission der Berliner Polizei fragt nun, wer das Auto oder den verdächtigen Florian R. an diesen beiden Tagen gesehen hat. Eine weitere Frage lautet: Wer kennt den Tatverdächtigen und kann Bezugspunkte von ihm benennen, die zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) liegen? Hinweise nehmen die 3. Mordkommission beim Berliner Landeskriminalamt, Keithstraße 30, unter der Rufnummer 030 4664911333 oder per E-Mail an lka113-hinweis@polizei.berlin.de oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Nach Informationen der Lausitzer Rundschau wurde die Fahndung bisher nicht in Richtung Polen ausgedehnt, weil es noch keine ausreichenden Verdachtsmomente gibt. Offiziell wollte sich die Polizei dazu nicht äußern. Es werde in alle Richtungen ermittelt, sagte ein Sprecher.

Spur dank umstrittener Kennzeichenfahndung

Die neue Spur kam mit Hilfe der umstrittenen automatischen Kennzeichenfahndung KESY zustande, die die Brandenburger Polizei seit 2010 nutzt. Mit KESY werden Daten erhoben, wenn es um die Suche nach zur Fahndung ausgeschriebenen Fahrzeugen geht, weil sie gestohlen oder für Straftaten genutzt wurden. Kennzeichen anderer Fahrzeuge werden gelöscht. Nach einem richterlichen Beschluss können sie aber auch erneut ausgelesen und gesichtet werden. Dieses Vorgehen ist durch das Polizeigesetz Brandenburgs (§36a) gedeckt.

Neun Geräte sind den Angaben zufolge landesweit aufgestellt. Den genauen Standort des Geräts auf der A 12 wollte die Polizei nicht preisgeben, laut Datenschutzorganisationen soll es sich jedoch kurz hinter dem Dreieck Spreeau befinden. Die Geräte sind für Laien kaum zu erkennen. Sie erfassen nur das Nummernschild, die Fahrer sind damit nicht zu identifizieren.

Das Bundesverfassungsgericht hatte ein ähnliches Vorgehen der Polizei in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg im Dezember 2018 zum Teil für verfassungswidrig erklärt.

Rebeccas Vater stellt Suche in Frage

Der Vater von Rebecca stellte den Sinn der Suche in Brandenburg am Mittwoch in Frage. „Die ganze Nummer hängt mit einer andere Sache zusammen, die ich aber nicht sagen darf“, sagte er dem Fernsehsender RTL. Er forderte den verhafteten Schwager auf, sein Schweigen zu brechen, „damit die ganze Suche in eine andere Richtung geht, und zwar in die richtige“.

In den Tagen zuvor war die 15-Jährige vor allem im Berliner Bezirk Neukölln gesucht worden. Dort war sie in der Nacht zum 18. Februar oder am Vormittag aus dem Haus ihrer Schwester verschwunden. Die Kriminalpolizei geht davon aus, dass sie getötet wurde. (mit dpa)

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