Nein, der Verfassungsschutz werde Pegida nicht ins Visier nehmen, sagt Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) am Donnerstag. Nur "einzelne Personen", sagt er, seien "Beobachtungsgegenstand des Landesamts". Gemeint sind die alten Bekannten aus dem Neonazi-Milieu und die organisierten Rechtsex-tremen, die im breiten Strom der selbsternannten "patriotischen Europäer" mitschwimmen. Doch die ganze Demonstration sei kein Fall für den Verfassungsschutz.

Allerdings: Wenn die Ermittler nicht am Rande stehen, wie sollen dann Ausfälle wie die mit den selbst gebastelten Galgen verfolgt werden? Doch dabei blieb es nicht: Staatsanwalt Jan Hille, der gegen den noch unbekannten Galgenträger ermittelt, hat inzwischen Morddrohungen erhalten.

"Für Euch ist die Schlinge auch schon geknüpft" und "Wir kriegen Euch alle", steht in anonymen Mails, die Anfang der Woche bei der Staatsanwaltschaft aufschlugen. Die Behörde ermittelt jetzt auch gegen den Absender, wegen Bedrohung.

Ein Jahr nach ihrer ersten Demonstration wird die Straßenbewegung der "patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands" somit justiziabel. "Leute, die das tun, gehören nicht auf die Straße, sondern vor den Richter", so kommentiert Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) die Galgenattrappe. Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) sieht damit einen neuen Höhepunkt in der Verrohung der Demonstrationskultur erreicht.

Schon lange fragen sich viele Dresdner, warum Polizei und Justiz nicht entschiedener einschreiten. Wie gegen den Pegida-Mitläufer, der immer wieder ein Schild herumtrug, das die Kanzlerin als Schwein zeigt. Oder gegen Redner, die dazu aufriefen, "den Hass nicht an Flüchtlingen, sondern an der Regierung auszulassen". Vor allem gegen den Vereinschef Lutz Bachmann, der Montag für Montag gegen "Lügenpresse" und "Volksverräter" wettert.

Zudem macht sich Unmut breit über die Polizei, die mit ihrer deeskalierenden Strategie lieber fiese Plakate unbehelligt laufen lässt, damit nicht noch Steine fliegen. Auch deshalb blieben die Demonstrationen friedlich.

Der Protest gegen ein Asylbewerberheim brachte im Oktober 2014 den Stein ins Rollen. Noch unter dem Eindruck der Feiern zu 25 Jahren friedlicher Revolution, trommelte eine Dresdner Clique aus der Club- und Security-Szene zu ihrer eigenen Version der "Montagsdemonstrationen". Über Wochen waren nur ein paar Hundert Leute dabei, dann wurden Medien und Politik aufmerksam. Anfang Dezember kamen 2000, danach verdoppelte sich Woche um Woche die Teilnehmerzahl. Jetzt sind Montag für Montag bis zu 9000 Demonstranten dabei.

Den Galgenträger vom letzten Mal sucht die Polizei mittels Analyse des Bildmaterials. Ermittelt wird wegen Störung des Öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten sowie wegen Öffentlicher Aufforderung zu Straftaten. Das kann fünf Jahre Haft bedeuten.