Wilhelm K. steht in der Nacht des dritten Dezember 2014 vorm Haus seiner Exfreundin in Neu Lübbenau (Landkreis Dahme-Spreewald). Er beobachtet sie und ihren neuen Freund. Eigentlich will K. nur reden, über die Trennung, die für ihn unerwartet kam. Er ruft sie auf dem Handy an. Er sieht durchs Fenster wie Corinna B. auf das Display schaut, kurz mit ihrem neuen Freund Mike T. spricht und das Handy dann mit einer abwertenden Handbewegung achtlos zur Seite wirft.

Diese Handbewegung, diese "Kränkung", wie es Rechtsanwalt Matthias Schöneburg formuliert, lässt bei Wilhelm K. die Sicherungen durchbrennen. Er stürmt ins Haus, attackiert den Nebenbuhler mit 28 Messerstichen. Dann geht er auf seine Ex-Freundin los. Sie wird schwer verletzt, kann fliehen. Danach versucht K., das Haus anzuzünden.

Schöneburg lässt in seinem Plädoyer im Cottbuser Landgericht am gestrigen Freitag Revue passieren, was in dieser Nacht vor sieben Monaten in seinem Mandanten vorgegangen ist. Wilhelm K. sitzt neben ihm, den Kopf gesenkt, nickt immer wieder zustimmend.

Mord, versuchter Totschlag, gefährliche Körperverletzung und schwere Brandstiftung werden ihm vorgeworfen. Es ist der letzte Verhandlungstag. Die Staatsanwaltschaft hat in ihrem Plädoyer lebenslänglich gefordert, denn die Tat sei als Mord zu werten.

Rechtsanwalt Matthias Schöneburg hingegen fordert kein konkretes Strafmaß. Er bittet das Gericht, genau abzuwägen und führt Gründe an, die aus seiner Sicht gegen den Mordvorwurf sprechen.

So sei nicht eindeutig erwiesen, dass K. mit Mordabsichten zum Haus seiner Ex-Freundin gefahren sei. Die Tatwaffe, ein Jagdmesser, hätte er, auch nach eigenen Angaben, nicht dabei gehabt, sondern sich erst vor Ort geschnappt. Dies würde gegen ein geplantes Vorhaben sprechen. Auch der Versuch, kurz vorher noch einmal mit Corinna B. zu telefonieren, spreche dagegen.

Zudem solle die Staatsanwaltschaft in Betracht ziehen, dass das, was Wilhelm K. getan hat, aus Affekt geschah, weil er gekränkt, weil er aufgewühlt war. Weil Corinna B. aus dessen Sicht nie klar gesagt hätte, dass sie getrennt seien. K. hätte nichts gewusst von der neuen Liebe. Klärende Gespräche habe es nicht gegeben.

Während der Rechtsanwalt dies vorträgt, schüttelt Corinna B. immer wieder den Kopf. Ende November hätte es zudem noch ein Treffen beider in Berlin gegeben, man habe sich "liebevoll begrüßt und beide waren gemeinsam essen", schildert der Anwalt des Angeklagten weiter.

Wilhelm K., der an diesem letzten Prozesstag das letzte Wort erhält, beschreibt es so: "Bis heute ist mir das unerklärlich. Es beschäftigt mich jeden Tag. Ich dachte, das ist ein Fremder, der das gemacht hat."

K. spricht rund zehn Minuten, er lehnt sich zum Mikrofon vor, damit ihn alle gut hören.. "Ich möchte mich bei allen Beteiligten aufrichtig entschuldigen", sagt er. Immer wieder entschuldigt er sich, fast gebetsmühlenartig. Er spricht von Scham, davon, dass er das Geschehene nicht wieder gut machen kann. Er sagt, dass er - die Staatsanwaltschaft ist anderer Überzeugung -, die Tat bereue und bittet um Milde.

Corinna B., die mit im Saal ist, hält sich angespannt an ihrem Taschentuch fest. Ihr ist anzusehen, dass sie um Beherrschung ringt, mit Tränen kämpft.

Im Anschluss sagt sie: "Das hätte er sich eher überlegen müssen. Er bittet um eine zweite Chance, aber die hat Mike nicht mehr." Die Entschuldigung sei nur "Theater", das sei keine echte Reue, das sei alles nur gespielt, eine Mitleidstour, sagt ein Familienangehöriger von Mike T.