"Gekko" hat viele Gewaltvideos des Islamischen Staats (IS) gesehen. Hingerichtete Männer, vergewaltigte Frauen, getötete Kinder. "Ich konnte nicht weiter mit den Händen im Schoß dasitzen. Ich musste etwas tun", sagt der ehemalige französische Soldat in Interviews. Der 25-Jährige spricht mit einem Freund darüber, sich Kämpfern gegen die Extremisten anzuschließen. Der ist begeistert und zusammen gründen sie die Task Force Lafayette, eine Einheit ehemaliger Soldaten, die die Peshmergas im Nordirak für ihre Einsätze gegen den IS ausbilden will.

Auch die französische Armee unterstützt die kurdischen Kämpfer mit Waffen und fliegt Luftangriffe auf Stellungen der Dschihadisten im Irak und in Syrien. Doch das reicht der Gruppe um "Gekko" nach der islamistischen Anschlagserie im Januar mit 17 Toten nicht aus. "Sie haben Frankreich den Krieg erklärt. Ich verstehe nicht, warum wir so passiv sind", kritisiert "Ach", ein weiterer Anti-IS-Kämpfer, im Radiosender France Info. "Nur vor Ort kann ich mich nützlich fühlen und das Gefühl haben, dass ich meine Pflicht tue." Im Dezember soll es losgehen - zusammen mit seiner Freundin "Cass". Sie war als einzige der rund 15-köpfigen Freiwilligen-Truppe nicht bei der Armee, kann aber als Automechanikerin Fahrzeuge reparieren.

In der Nähe der nordirakischen Stadt Kirkuk sollen die Kämpfer unterkommen, die für ihre Ausrüstung bereits 35.000 Euro an Spenden zusammenbekommen haben. Auf Facebook zeigt die Task Force, die sich auf die Brigade Lafayette der französischen Armee in Afghanistan beruft, bereitwillig ihre Vorbereitungen - einschließlich der Ausstattung von Sprengstoffspürhund Fidji.

Kämpfer hinter der Front

Als "unpolitisch und nicht religiös" bezeichnen sich die Ex-Soldaten, die viel Zulauf bekommen. "Wir sind keine rechtsextreme Gruppe, wir sind keine Kreuzritter und wir brechen zu keinem Kreuzzug auf. Die Muslime gehören zu der Bevölkerung, der wir helfen wollen", sagt "Ach". Damit unterscheidet sich die Task Force Lafayette deutlich von einer anderen französischen Einheit, die ebenfalls den IS bekämpfen will: dem Bataillon Beaufort. Die ausdrücklich christliche Gruppierung nennt sich inzwischen auch Dwekh Nawsha, was auf Aramäisch "Künftige Märtyrer" heißt. "Gruppe christlicher Franzosen, die bereit ist, den IS zu bekämpfen" steht auf ihrer Facebook-Seite. Die Partei der patriotischen Assyrer hatte die Miliz Dewkh Nawsha 2014 zum Schutz der Christen gegründet, die vom IS brutal verfolgt werden. "Man braucht Freiwillige, um diese Bevölkerung zu schützen", sagt ein 42-Jähriger aus Südfrankreich in der Zeitung "Le Figaro".

Unbezahlter Einsatz

Die Kämpfer bezahlen ihre Reise ins Kriegsgebiet selbst. Geld für ihren Einsatz bekommen die Milizionäre nicht, was sie von Söldnern unterscheidet. Damit sehen sich die modernen Kreuzritter auch nicht im Unrecht mit dem, was sie tun: Das Söldnergesetz aus dem Jahr 2003 verbietet zwar bezahlte Operationen in den Konfliktregionen der Welt, spricht aber nicht von unbezahlten Freiwilligen. Wie die französischen Behörden die Anti-IS-Kämpfer beurteilen ist unklar, da sie bisher jeden Kommentar verweigert haben.

Klar ist, dass die Anti-Terror-Maßnahmen der Regierung die Gruppierungen um "Gekko" und Co. kaum betreffen. Denn nur wer das Land zu terroristischen Zwecken verlässt, kann an der Ausreise gehindert werden. Rund 500 Franzosen kämpfen laut Innenministerium derzeit in Syrien und im Irak an der Seite des IS. Denen könnten sich die neuen Anti-IS-Einheiten bald gegenüber sehen. Die Expertin Myriam Benraad sieht sowohl bei ihnen als auch bei ihren Gegnern eine ideologische Motivation: "Es gibt auf beiden Seiten eine Sakralisierung des Kampfes", sagt die Professorin der Universität Sciences Po der Zeitung "Le Parisien". Letztlich gehe es um "Sache gegen Sache, Zivilisation gegen Zivilisation".