Der Anspruch ist hoch: "Wir suchen passgenaue und brauchbare Lösungen für die Industrie 4.0", umreist der Inhaber des Lehrstuhls für Automatisierungstechnik der BTU, Prof. Ulrich Berger, die Angebote für die Wirtschaft. Die 2. Industriekonferenz des Landes Brandenburg, die am Donnerstag nach dem erfolgreichen Start 2014 wieder auf den Uni-Campus zurückkehrt, will kleine und mittelständische Unternehmen des Landes bei der Digitalisierung und Vernetzung unterstützen und mit Beispielen für Wissenstransfer überzeugen.

Fachkräftebedarf sichern

"Wir wollen mit dem Ohr an der Wand schlafen, den Puls der Zeit erkennen und auf Unternehmer zugehen", sagt Prof. Berger, der für Brandenburgs Wirtschaft Sprecher des Clusters Maschinenbau ist. Er und seine Mitstreiter haben das Konzept für die 600 Quadratmeter große Modellfabrik entwickelt, die die Klein- und Mittelständler im BTU-Leichtbauzentrum Panta Rhei erwartet.

Damit geht die Konferenz auf die Herausforderungen ein, vor denen viele kleine und mittlere Unternehmen künftig stehen: ihre Produktion zunehmend zu digitalisieren, um ihre Produkte für den globalisierten Wettbewerb konkurrenzfähig zu machen. Dazu gehört ebenso die langfristige Sicherung des hohen Bedarfs an Fachkräften. Und nicht zuletzt geht es darum, innovative Lösungen auch bei der Qualifizierung sowie der Organisation der Arbeit in den Unternehmen zu finden. Es müssen Antworten gefunden werden auf Fragen wie:

Wie können gerade kleine und mittlere Unternehmen ihre Innovationsfähigkeit erhöhen und verstetigen?

Welche innovativen Forschungsergebnisse aus Brandenburger Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen stehen heute schon für den Transfer in die Unternehmen zur Verfügung?

Wie kann dieser Transfer intensiviert werden?

Welche Erfolgsbeispiele können als Orientierung dafür dienen, wie sich Unternehmen der Herausforderung der Digitalisierung und Automatisierung und der sich daraus ergebenden Umgestaltung der Arbeit am besten stellen?

Die Industriekonferenz 2015 wird dazu ausgewählte Erfolgsbeispiele und vielfältige unternehmensorientierte Beratungsangebote präsentieren. Gerade die BTU Cottbus-Senftenberg steht im Land Brandenburg beispielhaft für die Kompetenz, im Dialog mit Unternehmen aus ihren Forschungsergebnissen neue, innovative Produkte und Verfahren zu entwickeln.

Mit der Konferenz wird zudem das von den Potsdamer Ministerien für Wirtschaft und für Wissenschaft sowie der BTU vorgestellte "Innovationszentrum Moderne Industrie" seine Arbeit aufnehmen. Denn neben der Modellfabrik, wo mit Maschinen und Anlagen Produktionsprozesse simuliert werden können, würden die Wissenschaftler des Innovationszentrums künftig in die Betriebe gehen. Den Bedarf würden die Unternehmen signalisieren. Die Wissenschaftler bewerten dann vor Ort den Modernisierungsbedarf und beraten bei der Umsetzung der nötigen Veränderungen.

Letztlich soll ein "Innovationslabor" eingerichtet werden, in dem die Forschungen der Universität zusammenfließen. Als Anschubfinanzierung erhält das Innovationszentrum zwei Millionen Euro aus den Strukturfördertöpfen des Landes. Gegenüber der RUNDSCHAU hat Professor Berger darauf verwiesen, dass für das Innovationszentrum zunächst acht Mitarbeiter vorgesehen seien.

Das Innovationszentrum bewertet die Potsdamer Forschungsministerin Sabine Kunst (SPD) als ein "überaus positives Beispiel für diese Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft". Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft sei für beide Seiten von Vorteil. "Die Unternehmen profitieren von den Ideen und dem Know-how aus der Wissenschaft, die Hochschulen können mit dem Kontakt zur Wirtschaft ihre Forschung und Lehre weiterentwickeln", so Kunst.

Innovationszentrum an der BTU

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) begründet die Einrichtung des Innovationszentrums damit, "dass rund 95 Prozent der Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes im Land Mittelständler sind". Sie könnten im Vergleich zu großen Unternehmen die Digitalisierung der Produktion aus eigener Kraft oft nicht bewältigen. "Deshalb haben wir uns entschlossen, das Innovationszentrum an der BTU zu installieren." Dort würden die Unternehmen Rat und Unterstützung von Experten aus Wissenschaft und Forschung erhalten. Gerber: "Nur eine moderne Industrie kann sich im Wettbewerb behaupten."

Zum Thema:
Brandenburgs Investitionsbank (ILB) und die Zukunftsagentur (ZAB) bieten während der Cottbuser Konferenz einen zusätzlichen Service. Für Unternehmen besteht die Möglichkeit einer individuellen Kurzberatung (20 Minuten) - etwa zu Förderungen bei Investitionsvorhaben.