Sie haben erschreckt: Meldungen über resistente Krankheitskeime in Kliniken. Dass sie weiter auf dem Vormarsch sind, geht aus der Stati stik des Bundesgesundheitsministeriums hervor. Sie basiert auf den Keim-Meldungen, an denen sich immer mehr Krankenhäuser beteiligen. Programme für eine bessere Hygiene in den Krankenhäusern laufen seit Jahren. Auch die Forschung und Weiterbildung zu Krankheitserregern, die sich nicht mehr von Antibiotika aufhalten lassen, wird inzwischen gefördert.

Es gibt mehrere Ursachen für die Multiresistenzen der Krankheitserreger, sagt der Cottbuser Mikrobiologe Werner Bär. Der unnötige Einsatz von Antibiotika ist einer davon. "Hier müssen sich Mediziner über Alternativen austauschen. Und sie müssen genau wissen, mit welchem Antibiotikum was erreicht werden kann." Und der Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht sei ein großes Problem. Doch dass es gerade besonders schlimm ist, kann Professor Bär so nicht bestätigen. Etwa 50 Prozent der Menschen, die im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum behandelt werden, werden auf resistente Krankheitserreger getestet. "Wir wählen sie nach bestimmten Risikogruppen aus - was ihr Krankheitsbild und was ihre Herkunft betrifft. Ältere Menschen haben mehr Lebenszeit, um sich einen Erreger einzufangen. Wenn sie noch aus einem Heim kommen, ist das Risiko hoch", erklärt Werner Bär. Mit dem Screening der Hälfte der Patienten nach Risikofaktoren, da ist sich Bär sicher, könnten 90 Prozent der resistenten Erreger entdeckt werden. "Bundesweit tragen zwei von hundert Menschen sie an oder in sich - in unserer Region ist es maximal ein Mensch von Hundert." Und im Carl-Thiem-Klinikum sind nach den Schätzungen Bärs 0,7 Prozent der Menschen betroffen.

Je nach Keimart wird ein Abstrich aus der Nase oder am Darm ausgang genommen. Das Bakterium aus dem Abstrich, das dann auf einem Nährboden angezüchtet werden kann und in Reinform vorliegt, wird als Isolat gesichert und aufbewahrt. So sind sie vergleichbar mit neuen Keimen, was wichtig wird, wenn die Klinik herausfinden muss, ob ein Erreger im Krankenhaus übertragen wurde.

"Ich hatte vor etwa zwei Jahren mal einen Fall von Legionellen bei einem Patienten. Wir schickten die Proben zu meinem Kollegen Christian Lück ins Konsiliarlabor für Legionellen des Robert-Koch-Instituts und Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene nach Dresden, um sie genau bestimmen zu lassen", erzählt Bär. Und siehe da, sein Kollege Lück kannte diese Legionellen. Er hatte ihre genetische Sequenz schon einmal vorgefunden - und zwar war sie gehäuft auf einem Fahrgastschiff im Mittelmeer aufgetreten. "Dass man auf genau die gleiche genetische Sequenz trifft, ist noch seltener als ein Sechser im Lotto. Wir haben unseren Patienten daraufhin gefragt - er hatte tatsächlich auf eben diesem Schiff Urlaub gemacht."

Wenn innerhalb von 14 Tagen drei Menschen von ein und demselben Keim betroffen sind, kann man von einem Ausbruch eines Keims ausgehen, und den muss ein Krankenhaus melden. Ausgewertet werde die Keimbelastung im CTK monatlich, Professor Bär schickt die Ergebnisse anschließend den Chefärzten, "damit sie wissen, wie es in ihren Bereichen aussieht und wir handeln können".

Bär ist ein Verfechter, Antibiotika rationaler einzusetzen. Auch im Bundestag hat er dazu in diesem Jahr schon referiert. Gespannt verfolgt er die Entwicklung zu Resistenzen. Im Vorjahr hat er mit seinem Team eine antibiotische Therapie als Computerprogramm entwickelt. Die Ärzte im Haus können auf sie zugreifen. Diverse, durch Keime hervorgerufene Krankheiten sind auf der linken Seite gelistet, rechts stehen die zugelassenen Antibiotika: Mit wenigen Klicks sind wirksame Antibiotika gefunden - einzeln oder in Kombination - oder es wird klar, dass eine Resistenz vorliegt und Alternativen gebraucht werden.

Er fühlt sich in Cottbus in einer komfortablen Situation. Die Mitarbeiter nutzen Weiterbildungen zur Hygiene, zu Keimen im Wasser, in der Klimaanlage, beschäftigen sich mit dem rationalen Einsatz von Antibiotika.

Seit dem Inkrafttreten des Beitragsschuldengesetzes vom 1. August 2013 kann aus dem Hygieneförderprogramm eine zweite Fachärztin in der Hygiene am Thiem-Klinikum finanziert werden, ihre Stelle wird zu 75 Prozent gefördert. 15 000 Euro im Jahr gibt es zu einer Facharztausbildung dazu. Zwei geförderte Hygienebeauftragte Ärzte unterstützen das Team, und eine Hygienefachkraft wird zu 90 Prozent finanziert. "Zudem gehören wir zu den Krankenhäusern, die noch ein eigenes Labor haben - eine wichtige Grundlage", sagt Werner Bär