Die Integration von Flüchtlingen im Land Brandenburg soll künftig besser vernetzt werden. Prominente aus Verbänden, Kirchen, Gewerkschaften und der Politik unterzeichneten am Donnerstag in Potsdam den Gründungsaufruf des "Bündnisses für Brandenburg", das auf Initiative von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zustande kam. Es soll der Vernetzung von Flüchtlingsinitiativen und der Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements dienen. Woidke zufolge gebe es in der Brandenburger Bevölkerung zahlreiche Ängste, die mit der Integration von Flüchtlingen verbunden werden. "Das Einzige, was da hilft, ist: Begegnungen organisieren und die Menschen möglichst schnell in soziale Strukturen und die Gesellschaft zu integrieren." Nur ein gegenseitiges Kennenlernen könne dazu beitragen, dass Vorurteile und Ängste verschwinden.

Für den 14. Dezember ist als erste Veranstaltung der neuen Organisation eine landesweite Integrationskonferenz geplant. Die personelle und die finanzielle Ausstattung des neuen Bündnisses sind derzeit allerdings noch völlig unklar. Fest steht bislang lediglich, dass es eine Geschäftsstelle in der Potsdamer Staatskanzlei geben soll. Sie soll vom Bevollmächtigten des Landes bei der Bundesregierung, Staatssekretär Thomas Kralinski (SPD), geleitet werden. Der für das Bündnis zur Verfügung stehende Etat und die Zahl der Mitarbeiter in der Geschäftsstelle würden Kralinski zufolge dagegen "gerade ausgekegelt". Und auch die Erstunterzeichnung des Gründungsaufrufs wirkte in ihrem Ablauf am Donnerstag eher improvisiert - doch immerhin waren Vertreter nahezu aller wichtigen Verbände und Organisationen des Landes beim Gründungsaufruf dabei. "Wir wollen in der Bevölkerung Mehrheiten für eine aufnahmefreundliche Politik schaffen", sagte der Präsident des Landesanglerverbands, der frühere Landtagspräsident Gunther Fritsch (SPD). "Es ist Zeit, dass sich alle Kräfte der Zivilgesellschaft zusammenschließen, um gegen Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Intoleranz vorzugehen", sagte der ehemalige Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD). "Das ist das Gebot der Stunde."

Auch die Schlagersängerin Katja Ebstein, die sich mit einer von ihr gegründeten Stiftung um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kümmert, oder der Präsident der Handwerkskammer Cottbus, Peter Dreißig, zählten zu den Erstunterzeichnern. "Wir als Wirtschaft können den Menschen neue Chancen bieten", sagte Dreißig. "Wir stehen bereit." Von einem "breiten Bekenntnis für die Menschenwürde", sprach der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge. Viele Flüchtlinge, die nach Deutschland kämen, seien hoch motiviert, und wollten sich in die Gesellschaft einbringen. In der Diakonie werde deswegen demnächst ein Ausbildungskurs für Flüchtlinge gestartet, bei dem die Zuwanderer gleichzeitig Deutsch lernen und zu den in Brandenburg dringend benötigten Pflegefachkräften ausgebildet werden sollen. Und auch CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben und der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Axel Vogel, setzten ihren Namen unter den Gründungsaufruf. "Regierung und Opposition müssen an dieser Stelle zusammenarbeiten", sagte Vogel. Politik dürfe nicht auf dem Rücken von Flüchtlingen ausgetragen werden.