Seine Rinder will der Landwirt nicht freiwillig hergeben. Behördenvertreter sind auf seinen Hof bei Nauen (Havelland) gekommen, um die Tiere abzutransportieren. Daraufhin soll der 72-Jährige mit einer Schrotflinte geschossen und einen Mitarbeiter des Veterinäramts getötet haben. Der 61-Jährige stirbt noch am Tatort an seinen Verletzungen. Am Dienstag (09.30 Uhr) beginnt am Landgericht Potsdam der Prozess gegen den mutmaßlichen Schützen. Er ist unter anderem wegen Totschlags angeklagt.

An dem Tag im Januar dieses Jahres rollen Viehtransporter auf den Hof. Die Rinder sollen gleich mitgenommen werden. Ein Nachbar berichtet damals, der Landwirt habe vor Wut laut gebrüllt.

Laut Anklage soll der Mann auch versucht haben, eine Amtstierärztin zu erschießen. Dies sei aber wegen eines technischen Defekts der doppelläufigen Flinte nicht gelungen. Der Angeklagte steht auch wegen versuchten Totschlags und unerlaubtem Führen einer Schusswaffe vor Gericht.

Sein Mandant werde sich zum Prozessauftakt „umfassend selber einlassen“, kündigt Anwalt Thomas Arndt an. Er bedauere das Geschehene, „er wollte nie einen Menschen umbringen“. In seiner „subjektiven Wahrnehmung“ habe der Mann „auf scheinbares Unrecht“ reagiert, so Arndt.

Der Landwirt lebte alleine auf dem Hof in Klein Behnitz. Weil der Bauer nach Ansicht der Behörden mit der Haltung seiner Rinder überfordert war, sollten ihm fast alle Tiere weggenommen werden. Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatte er vom Landkreis Havelland die Auflage erhalten, den Rinderbestand von 30 auf 5 Tiere zu reduzieren. Vorübergehend sei die Herde bei einem anderen Bauern untergekommen. Als sich die Situation nach der Rückkehr der Tiere nicht besserte, hätten dem 72-Jährigen die Rinder entzogen werden sollen.

Neun Verhandlungstage sind für den Prozess angesetzt. Er soll nach jetzigem Stand am 29. September zu Ende gehen.