Die Zahl der Wolfsrisse in Brandenburg steigt - und die Landwirte sind deshalb alarmiert. Auf einem Pressetermin in Krielow forderte der Bauernbund Brandenburg, der vor allem kleinere Familienbetriebe vertritt, deshalb am Donnerstag eine neue Wolfsverordnung. "Wir brauchen einen aktiven Herdenschutz, der sofort durch die Jäger vor Ort umgesetzt werden kann," sagte Marco Hintze, Vorstandsmitglied des Bauernbundes. "Wenn ich höre, wir sollen wieder lernen, mit dem Wolf zu leben, kann ich nur antworten: Die Jahrhunderte, in denen wir mit dem Wolf gelebt haben, durften wir uns wenigstens wehren", so Hintze.

Als eigene Sofortmaßnahme hat der Bauernbund selbst einen Wolfsbeauftragten ernannt. Frank Michelchen aus Leibsch im Spreewald soll Berufskollegen beraten, wie man sich bei Wolfsrissen verhalten sollte. "Ich selbst habe bereits zwei Kälber verloren und inzwischen viele Erfahrungen mit dem so genannten Wolfsmanagement des Landes gesammelt, die ich gern weitergebe", so Michelchen.

Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbundes, erklärte: "Es geht uns nicht darum, den Wolf in Brandenburg auszurotten. Was wir brauchen ist eine Anpassung des EU-Schutzstatus an die gewachsene Population." Der Bauernbund hatte bereist in der Vergangenheit mehrfach den Abschuss von Wölfen gefordert. "Ein Wolf, der auf weniger als tausend Meter an unsere Dörfer oder Weiden ran kommt, wo ja tagsüber Menschen unterwegs sind, ist ein Problemwolf, denn er hat eindeutig seine natürliche Scheu verloren", so Jung.

Zahlen des Wolfsmanagements in Sachsen zeigen allerdings, dass es dafür bisher keien Anhaltspunkte gibt. Denn obwohl es immer mehr Rudel in Brandenburg und Sachsen gibt und diese sich nach wie vor speziell in der Lausitz konzentrieren, weichen die Wölfe dem Menschen aus. Auswertungen der Daten besenderter Wölfe haben ergeben, dass sich die Tiere weitgehend in den Wäldern aufhalten - tagsüber zu 90 Prozent, während der Jagd in der Nacht und in der Dämmerung zu knapp 70 Prozent. Menschliche Siedlungen meiden die Tiere nach wie vor so gut wie vollständig.

Der Bauern-Wolfsbeauftrage Michelchen erklärt hingegen: "Man wirft uns hochnäsig vor, wir hätten das Rotkäppchen-Syndrom. Ich sehe eher das Dornröschen-Syndrom auf der anderen Seite. Die Naturschutz-Verantwortlichen in Brandenburg befinden sich im Tiefschlaf. Mit der Ausbreitung des Wolfs wird die Weidetierhaltung als wirtschaftliche Größe verschwinden."

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