„Es hört sich ganz wunderbar an“ , erzählt die 59-Jährige lachend. „4000 Quadratmeter Land, ein uraltes Cottage, acht Kilometer bis zum nächsten Dorf.“ Ein Leben auf der Grünen Insel, um das sie viele Deutsche beneiden würden. „Aber wenn man, wie ich, nicht Autofahren kann, wird es schon ziemlich einsam“ , sagt Sabine Dillner. „Und mit eineinhalb Zimmern und einem winzigen Bad will man sich in unserem Alter auch nicht ewig zufrieden geben.“ Also: Auch das Paradies hat Schattenseiten, für immer möchte die Schriftstellerin nicht in Irland bleiben, für immer jedoch währte noch nie etwas in ihrem Leben.
1948 wurde Sabine Dillner in Boltenhagen an der Ostsee geboren, ein Fischer-Kind mit Salz im Blut. Ihre Vorfahren haben über Generationen auf der Insel Poel gelebt, einer von ihnen diente als Kapitän in Störtebekers Flotte - ins Salz mischte sich eine Portion Pfeffer.
Neben den Stränden und Wäldern der Ostseeküste er oberte sich die junge Sabine schon früh die Abenteuerländer der Fantasie und der Literatur. „Lesen gehörte schon immer zu meinem Leben. Bis auf Rosamunde Pilcher, Porno und extrem harte Krimis verschlinge ich alles Gedruckte.“ Es lag nahe, dass sie Buchhändlerin lernte, immer wieder aber probierte sie auch andere Arbeitsstellen - und vor allem andere Wohnorte aus. „Die Wanderlust liegt uns im Blut“ , sagt Sabine Dillner, und sie hat einen Mann gefunden, der ihre Wanderlust teilt. So zogen sie gemeinsam nach Wismar, dann in die Nähe von Berlin, später nach Cottbus. „Dort sind wir mit unseren drei Kindern zwar 23 Jahre geblieben - eigentlich aber wollten wir immer nur weg.“
Es fällt der Autorin nicht leicht, diese Abneigung gegen die Lausitz zu erklären. „Die Häuser der Cottbuser Altstadt sind wunderschön, die Parks und die Landschaft rundum zauberhaft. Aber die Menschen haben eine Sturheit an sich, mit der nur schwer zurechtzukommen ist.“ Dennoch 23 Jahre nannte sie Cottbus ihre Heimat. Arbeitete hier als Buchhändlerin, später als Sekretärin der Waldorfschule.
Einige Jahre nach der Wende ein Erlebnis, das sie sich bis heute nicht erklären kann. „Die ersten Urlaube im Süden lagen hinter uns, gerade hatten wir Ferien auf Korsika gebucht. Ich war mit dem Rad in der Stadt unterwegs.“ Plötzlich habe sie sich magisch von einem Reisebüro angezogen gefühlt, sei hineingegangen und habe spontan zwei Wochen Irland gebucht. „Mann und Tochter nahmen es gelassen, auch, dass wir die Stornogebühr für Korsika zahlen mussten.“ Die Familie wurde in diesem Urlaub von einem unidentifizierbaren Irland-Virus infiziert. Die Ersparnisse wurden in ein winziges Ferienhaus investiert.
Wenig später verlor Sabine Dillners Mann seine Arbeit als Baumaschinist. Versuchsweise ging er, zunächst mit der jüngsten Tochter, nach Irland. Er fand sofort einen Job in einer Fahrradfabrik, die Tochter lebte sich in der Schule ein, nur Sabine Dillner saß noch in Cottbus. „Ich musste mir überlegen, was ich in Irland sinnvoll tun könnte. Also schickte ich meine Manuskripte an diverse Verlage.“ Ein Jugendbuchverlag aus Österreich meldete sich, seitdem hat die Autorin dort fünf Jugendbücher herausgebracht, zwei davon gemeinsam mit ihrem in Portugal lebenden Sohn Timo. Die Bücher verkaufen sich gut, außerdem verfasst Sabine Dillner regelmäßig Buchkritiken für deutschsprachige Magazine.
Jeden Tag setzt sie sich in ihrem winzigen Cottage an den Schreibtisch, an Ideen herrscht kein Mangel. „Es scheint, als übernehmen die Figuren die Regie, ich selbst weiß nie, wie eine Geschichte ausgeht, bin oft selbst erschrocken oder überrascht, was in meinen Büchern passiert.“ Sie schreibt über Piratinnen oder Au-Pair-Mädchen, gerade arbeitet sie an einer blutigen Auseinandersetzung zwischen zwei schottischen Clans. „Irgendwann will ich auch die Geschichte meines Vorfahren aus der Störtebeker-Crew literarisch aufarbeiten“ , sagt Sabine Dillner, aber das sei Zukunftsmusik.
Die Tage können manchmal lang werden in Irland und so sind sie gezählt. „In zwei Jahren geht mein Mann in Rente. Wenn unser Labrador dann nicht mehr ist, ziehen wir zurück nach Wismar.“ Ein Lebenskreis kann sich schließen. „Endlich wieder eine Badewanne“ , freut sich Sabine Dillner schon heute, „und ein Raum für meine Bücher.“ Denn in Irland ist der Platz so knapp, dass für jedes neue Buch ein altes weichen muss.
Ja, und auch auf die Mecklenburger freut sie sich. „Die Iren sind so unglaublich optimistisch, herzlich und lebensfroh - auf Dauer kann unsereiner das nur schwer aushalten.“
Und was denkt sie über die Cottbuser? Ihre große Tochter und der Vater leben bis heute hier. „Und wenn wir in Wismar sesshaft geworden sind, haben sie eine schöne Urlaubsadresse in Mecklenburg. Das ist doch auch was.“

Hintergrund Die Bücher Sabine Dillners
 Sabine Dillner hat bisher veröffentlicht: Hexilon, Band I und II, Der schönste Sommer, Ich träumte von Irland, Morgen bringe ich sie um, Die Piratin - Das Leben der Grania O'Malley, erschienen bei Carl Ueberreuter. Sie kosten zwischen 8,90 und 14,95 Euro.