Die 35 1019 schnauft um neun Uhr an Lübbenau vorbei. Die Dampflokomotive, die zum Fahrzeugbestand des LDC gehört, zieht sonst Sonderzüge allein über die Gleise. Doch am Geburtstag des Clubs dampft und zischt sie zusammen mit der 01 509 von der Pressnitztalbahn aus dem Erzgebirge mit 100 Stundenkilometern durch die Lausitz. Die Doppeltraktion, so bezeichnet man es, wenn zwei Lokomotiven einen Zug ziehen, soll eine doppelte Attraktion für die Passagiere sein.

Zehn Tonnen Steinkohle an Bord

Der Vorstand des LDC will seinen Mitgliedern und Gästen, unter ihnen der Förderverein zur Erhaltung Lausitzer Dampfloks und der Modellbahnclub Hoyerswerda, einen schönen Tag bereiten. Die Stimmung ist sehr gut. Lokführer Sven Seifert und Heizer Michael Bruchholz heizen der 35 1019 kräftig ein. Mit zehn Tonnen Steinkohle und 28 Kubikmeter Wasser haben sie genug geladen, um richtig Dampf zu machen und pünktlich im Technikmuseum am Anhalter Bahnhof in Berlin zu Büfett und Rundgang anzukommen.

Vereinsvorsitzender Georg Flechtner hat noch keine Zeit gehabt, die Glückwünsche vom Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) zu lesen. Das Stadtoberhaupt hatte am Morgen seinen Stellvertreter Holger Kelch (CDU) ans Gleis 1 des Cottbuser Bahnhofs geschickt, um die Glückwünsche in Form eines Schreibens noch vor Zugabfahrt um 8.30 Uhr zu überbringen. Ein Blick auf das Papier verrät: Der Oberbürgermeister dankt dem Club für sein Engagement, mit dem er seit zwei Jahrzehnten das kulturelle Leben in Cottbus bereichert.

Am 17. Dezember 1991 gründeten zehn Dampflokfreunde den Verein Lausitzer Dampflok Club. Motiviert durch einen Artikel in der RUNDSCHAU, in dem es um die Rettung der Dampfloks in der Lausitz ging, war schnell eine Satzung beschlossen und mit Harry Müller der erste Vereinsvorsitzende berufen. Nach Müller übernahmen Werner Donath und Friedrich Schad den Vorsitz. Seit 2003 führt Georg Flechtner die Geschäfte des Vereins, ihm hilfreich zur Seite Vorstand, 40 Vereinsmitglieder und etwa 130 Mitglieder vom Förderverein. "Mal bin ich Organisator, mal Seelsorger", sagt Flechtner. Auf seinem Weg durch die Wagen muss er in jedem Abteil stoppen.

Die einen wollen wissen, wie es mit der 03 204 weitergeht. Die Schnellzug-Dampflok, Baujahr 1936, ist seit 1993 der Star der Lausitzer. Doch alle Signale stehen für sie auf Rot. Sie muss zur Hauptuntersuchung ins Dampflokwerk nach Meiningen. Das kostet etwa 400 000 Euro. So viel Geld kann der Verein allein nicht aufbringen. So hoffen alle auf Spenden - auch Klaus-Dieter Schichan und Georg Podstawa. Die beiden 74-Jährigen waren jahrelang die Stammbesatzung der 03 204; auch auf deren letzter Fahrt durch die Lausitz am 8. April 2010, bei der sogar Reporter vom ZDF-"blickpunkt" dabei waren.

Auch 2012 Parade nach Wolsztyn

Die anderen interessiert, ob es auch im Jahr 2012 zur Dampflokparade nach Wolsztyn in Polen geht. Flechtner beruhigt: Der Termin steht für den 28. April im Kalender. Deutsch-polnische Freundschaft liegt dem Verein am Herzen. Und so schicken die Polen Wojciech Marszalkiewicz von der PKP Cargo-Gruppe aus Poznañ mit Glückwünschen in die Lausitz.

Dass die LDC-Loks auch auf der Geburtstagsfahrt die Bahnhöfe pünktlich anfahren, ist selbstverständlich. Dieses Engagement des Vereins könne für die Deutsche Bahn eine Motivation sein, schreibt Cottbus' Oberbürgermeister Frank Szymanski, Fahrzeiten und Service erheblich zu verbessern.