Der Paschtune konnte vor allem auf die Stimmen der größten afghanischen Bevölkerungsgruppe bauen, die zu mobilisieren ihm bei der Stichwahl gelang. Und Ghani konnte auch junge und gebildete Afghanen überzeugen.

Ghani wurde 1949 in Kabul geboren, er studierte im Libanon, wo er seine Ehefrau Rula kennenlernte, und in den USA. Nach seiner Promotion arbeitete der Anthropologe von 1991 an mehr als zehn Jahre bei der Weltbank. In seine Heimat kehrte Ghani nach jahrelanger Abwesenheit erst nach dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 zurück.

Zunächst war er in Kabul Berater des UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi. In der Übergangsregierung seines Vorgängers Hamid Karsai war er bis 2004 Finanzminister. Ghani verdiente sich internationalen Respekt unter anderem damit, dass er die neue Währung Afghani aus dem Boden stampfte. Als Kanzler führte Ghani danach die Universität Kabul. Karsai betraute ihn ab 2011 damit, die Übernahme der Verantwortung durch die afghanischen Sicherheitskräfte von den internationalen Truppen zu organisieren.

Ghani tritt sanft auf, an Selbstbewusstsein mangelt es ihm aber nicht. "Ich habe zehn Jahre an manchen der drängendsten Probleme der Welt gearbeitet", sagte er über seine Zeit bei der Weltbank. Als Präsident will Ghani seinen Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Entwicklung des bitterarmen Landes legen. Er hat Sicherheitsabkommen mit den USA und der Nato unterzeichnet, die Voraussetzung für einen internationalen Militäreinsatz nach dem Jahreswechsel sind. "In meiner Regierung wird es keine Megafon-Diplomatie geben", sagte Ghani.

Rat für seine Präsidentschaft will sich Ghani unter anderem von seiner Ehefrau Rula holen. "Sie ist viel schlauer, als ich es bin", sagte Ghani vor der Wahl. "Hoffentlich wird sie mich beraten, wie sie es in 38 Jahren Ehe getan hat."