Vor dem Ausblick auf Neues steht erst einmal Vergangenheitsbewältigung am renommierten Herzzentrum an - und die hat es in sich. Die Prüfungskommission der Bundesärztekammer hat einen schweren Verdacht bestätigt. Nach Göttingen, München und Leipzig gibt es auch in Berlin einen handfesten Organspende-Skandal.

Der neue Direktor weiß genau, dass nicht nur er, sondern auch sein Haus sich Vertrauen neu verdienen muss. Der 49-Jährige, der in Bonn Medizin studierte und nach einer Station in Leipzig 2009 nach Zürich ging, ist nach Berlin gezogen, mit Frau und Tochter - mitten hinein ins trubelige Leben in Mitte. Einen Schicksalsschlag verschweigt er bei Fragen nach seiner Familie nicht. "Mein Sohn ist gestorben", sagt er. Falk spielt gern Fußball, er hat mit seiner Band "Transatlanik Express" das Album "Rekord" veröffentlicht.

Gegen 15 Konkurrenten hat Falk sich mit seiner Bewerbung durchgesetzt, gleichzeitig einen Lehrstuhl an der Charité übernommen. "Das Herzzentrum ist nach wie vor die erste Adresse in Deutschland", betont er. Gleich drei Kollegen, eine kleine Hausmacht, bringt er aus Zürich mit - und Pläne. Die Kunstherz-Entwicklung, bereits ein international bekanntes Steckenpferd am Herzzentrum, will er ausbauen. Auch, weil es so wenig Spenderorgane gibt. Die Schlüsselloch-Chirurgie will er voranbringen, damit Patienten bei Operationen möglichst nicht an die Herz-Lungen-Maschine müssen. Roboter als Helfer hat er bereits in Zürich geschätzt, 1,5 Millionen Euro sollen gemeinsam mit der Charité bald in neue OPs fließen. Falk will sich auch auf die Zukunft einstellen: Auf die alternde Gesellschaft - mit mehr Herzleiden. Mehr Therapien will er dafür und eine andere Infrastruktur nach der Intensivstation. Roland Hetzers Erbe als "Gigant der Herzchirurgie" sei eine Herausforderung, betont der neue Chef. Für ihn sei die Zeit der Generalisten jedoch abgelaufen. Er setze auf spezialisierte Behandlungsteams.