Unglücklich sei die Formulierung "Wundermittel" gewählt gewesen, die der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) vor rund drei Jahren nutzte, um für künstliche DNA (siehe Infokasten) als Diebstahlpräventionsmethode zu werben. Das meint Axel René Matz, Geschäftsführer von Spectrum Distribution, Cottbuser Vertriebspartner für SelectaDNA, dem größten Anbieter künstlicher DNA in Deutschland. Vielmehr sei das Produkt eine sinnvolle Maßnahme zur Diebstahlvorbeugung, aber kein Allheilmittel.

Matz reagiert damit auf lauter werdende Kritik an künstlicher DNA und deren Wirksamkeit. Besonders laute Bedenken äußerte André Schulz, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK). "Eine echte Gelddruckmaschine" sei künstliche DNA, effektiver sei "Manpower". Mehr Polizisten fordert er und befürchtet, der Einsatz der Polizei für die Präventionsmethode sei ein Weg, den Stellenabbau zu rechtfertigen.

Prävention im Vordergrund

Für Ines Filohn, Pressesprecherin der Brandenburger Polizeidirektion Süd, kommt diese Äußerung nicht überraschend. Immerhin sei der BDK eine Gewerkschaft, und dass die mehr Arbeitsplätze fordere, liege in der Natur der Sache. Sie stellt klar, dass künstliche DNA als Diebstahlpräventionsmittel "nicht umstritten" sei und sieht keinen Zusammenhang zwischen personellen Einsparungen bei der Polizei und dem Einsatz künstlicher DNA. Es gehe darum, Gelegenheitsstrukturen zu zerstören - Dieben also weniger Möglichkeiten zu geben, zuzuschlagen. Auf Gelegenheitstäter habe man es abgesehen, heißt es auch vonseiten der Bremer Polizei.

Fest steht, dass künstliche DNA vor allem eins tun soll: abschrecken. Dass gestohlene CD-Player, Laptops oder Armbanduhren auch jenseits der deutschen Grenze wiedergefunden werden, einer DNA-Analyse unterzogen werden und zum rechtmäßigen Besitzer zurückgeführt werden können, ist die Ausnahme. Entsprechende Fallbeispiele sind rar, in Bremen wie anderorts.

Warnschilder sollen potenzielle Diebe jedoch schon vor der Tat davon abhalten, Beute mitgehen zu lassen. Und das funktioniert, sagen Hersteller und Polizei. In Eigenheime, die mit Warnschildern ausgerüstet sind, wurde zumindest in Bremen kaum noch eingebrochen. Die Gesamteinbruchszahlen haben sich zwar langfristig nicht großartig verändert, doch sind ehemals besonders diebstahlgeplagte Straßen und Stadtteile weitestgehend verschont geblieben. Aus diesem Grund ist es Axel René Matz von Spectrum Distribution auch besonders wichtig zu betonen, dass so viele Bürger wie möglich gegen Einbruch vorbeugen.

In Bremen wird der Einsatz künstlicher DNA nun ausgeweitet. Anwohnerinitiativen sollen die Polizei bei der Ausweitung unterstützen. Ganze Straßen sollen zu Präventionsgebieten werden - mit entsprechenden Warnschildern. Ziel sei es, das Thema Diebstahlsicherung in der Bevölkerung anzustoßen, erklärt das Präventionszentrum der Bremer Polizei. Im November soll dann ein Abschlussbericht vorgestellt werden, mit dessen Hilfe sich auch andere Bundesländer für oder gegen ähnliche Projekte entscheiden sollen.

Künstliche DNA in Brandenburg

Im südlichen Brandenburg wirbt die Polizei schon seit 2011 intensiv für künstliche DNA. Klare Ergebnisse gibt es noch keine. Landwirte haben ihre Maschinen mit speziellen Agrar-Sets der Firma SelectaDNA ausgestattet. Auch für Solaranlagen, Fahrräder und Kraftfahrzeuge gibt es spezielle Sets. Das "Home-Kit" für den Privathaushalt kostet regulär rund 75 Euro und reicht für die Markierung von rund 50 Gegenständen. Drei Jahre lang ist die obligatorische Datenbankregistrierung kostenlos, im vierten Jahr fallen 7,50 Euro für zwölf Monate an. Axel René Matz ist überzeugt davon, dass sich die Investition in die Sicherheit lohnt. Künstliche DNA sei so gut wie nicht manipulierbar und unterscheidet sich allein deshalb von vielen anderen Schutzmaßnahmen wie etwa der Fahrradmarkierung mit Strichcodes. Außerdem sei die zentrale Datenbank ein wichtiger Baustein der Diebstahlprävention, weil die Polizei nur so im Falle eines Diebstahls schnell und überregional handeln könne. Vattenfall hat rund 20 000 Euro allein an Materialkosten investiert, um besonders diebstahlempfindliche Teile ihrer Tagebaue zu markieren und so Kabeldiebe zu vertreiben.

Ob die Maßnahme Nutzen zeigt, kann Andreas Pfütsch, Leiter der Sicherheit Bergbau, noch nicht sagen. Am Ende des Jahres wird Vattenfall entscheiden, ob man weiterhin an künstlicher DNA festhalten will. Erste Erfolge kann hingegen die Deutsche Bahn verbuchen. Im vergangenen Monat konnten zwei Kabeldiebe im Saarland gefasst werden, als sie versuchten, gestohlenes Metall weiterzuverkaufen.

Für Ines Filohn ist das Beweis genug - große Unternehmen wüssten schließlich, wofür sie ihr Geld ausgeben, sagt sie.

Zum Thema:
Künstliche DNA ist eine durchsichtige Flüssigkeit, die mit einem individuellen DNA-Code ausgestattet ist. Außerdem enthält die Flüssigkeit Microdots, das sind winzige individuell codierte Kunststoffplättchen. Mittels Datenbankeintrag wird jede künstliche DNA einem Besitzer zugeordnet. Zugriff auf die Datenbank haben nur der Eigentümer und die Polizei. Mit einem speziellen Applikator wird die Flüssigkeit auf Wertgegenstände gestrichen. Nach dem Trocknen ist sie praktisch unsichtbar. Unter UV-Licht wird die Markierung sichtbar und kann im Labor ausgelesen werden.