Harald Knaust und Joachim Gringmuth, beide Jahrgang 1929, können sich noch gut an die letzten Märztage des Jahres 1950 erinnern. Beide wegen angeblicher subversiver Tätigkeit gegen die noch junge DDR zu jeweils 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, sahen sie kurz nach ihrer Inhaftierung im Bautzener Speziallager einer ungewissen Zukunft entgegen. "Mit der Übergabe des Lagers durch die sowjetische Militäradministration an die Behörden der DDR verband sich die Hoffnung auf Verbesserung unserer Lebensumstände", berichtet Harald Knaust, gebürtiger Thüringer und jetzt bei Hannover lebend. Ebenso wie der Bautzener Joachim Gringmuth hat er es sich zur Aufgabe gemacht, den jüngeren Generationen über die damaligen Ereignisse zu berichten, damit diese nicht in Vergessenheit geraten. "Vor allem aber glaubten wir an eine Überprüfung unserer Urteile. Dann würde man unsere Unschuld feststellen und uns freilassen", so Harald Knaust weiter.Katastrophale LageDie Hoffnung trog. Die Haftbedingungen verschlechterten sich. "Besonders für die vielen Tbc-Kranken war die Lage katastrophal", erklärt Joachim Gringmuth. "Hatten sie von den Russen zuletzt eine bessere Verpflegung erhalten, mussten sie nun mit der normalen Gefängniskost auskommen, die schon für gesunde Gefangene viel zu schmal war." Von den Tbc-Baracken ging die Initialzündung für den Aufstand vom 31. März aus. Bereits am 13. März waren Häftlinge in den Hungerstreik getreten, um eine Verbesserung ihrer Lage zu erreichen. Am letzten Märztag brach sich die Verzweiflung Bahn. Zuerst in der Tbc-Abteilung, dann wie ein Lauffeuer über die einzelnen Trakte übergreifend, erscholl es Mark erschütternd: "Hunger! Wir rufen das Rote Kreuz!" Die mit der Situation überforderte Deutsche Volkspolizei antwortete mit roher Gewalt. Nachdem es nicht gelungen war, die Gefangenen mit Wasserwerfern von den Fenstern zu vertreiben, setzten die verstärkten Wachmannschaften nunmehr auf den Prügelstock. Sie bildeten Gassen, durch die sie die Gefangenen unter Stockhieben hindurchtrieben. Zahlreiche Verletzte blieben blutüberströmt liegen. Der Aufstand war erstickt."Nach diesen Ereignissen machte sich bei uns die totale Resignation breit", erklärt Harald Knaust. "Für uns war es völlig unverständlich, dass deutsche Polizisten ihre eigenen Landsleute in dieser Form behandelten", ergänzt Joachim Gringmuth. Noch fünf Jahre existierte das Speziallager. Im Jahr 1955 wurden die meisten Häftlinge entlassen, einige wurden in andere Gefängnisse verlegt. Knaust und Gringmuth kamen 1955 und 1956 frei und gingen sofort in die BRD. "Man darf nicht müde werden, immer wieder an diese Geschehnisse zu erinnern", sind sich die beiden ehemaligen Speziallagerhäftlinge einig. "Wir werden bald nicht mehr davon berichten können. Es muss verhindert werden, dass die gegenwärtige 'Rückwärtsrolle' in der Geschichtsbetrachtung der DDR mit Verharmlosung weiter geht."