24 Angriffe, davon elf erfolgreich. Die Bilanz der Bankomaten-Knacker kann sich sehen lassen. Doch ihr Bedarf scheint noch nicht gestillt. "Das ist ein ähnliches Tätermuster, wie wir es auch von der Kfz-Kriminalität kennen", sagt Gerd Otter, Leiter der Soko, die den Tätern in Brandenburg nun das Handwerk legen will. Sobald das Geld ausgehe, versuchten es die Täter erneut.

Gespräche mit den Banken

Dabei ist ihr Vorgehen immer gleich, kalt, berechnend, hoch professionell. In einigen Fällen hat die Soko Video-Aufnahmen sichern können, die das belegen. Zunächst dringen die Täter, meist sind es drei, mitten in der Nacht in den Bankraum ein, in dem sich der Geldautomat befindet. Dann wird ein Weg gesucht, das Gas in den Automaten einzufüllen. Das geht manchmal durch den Geldschlitz. In anderen Fällen muss ein Loch in die Tastatur gebohrt oder die Vorderseite des Automaten aufgehebelt werden. Dann wird eine Lanze eingeführt. Diese besteht aus einem Schlauch für das Gas und einem Zünder. Ist genügend Gas im Automaten drin, ziehen sich die Täter zurück und bestätigen den Zünder. Es knallt, der Automat ist gesprengt. Nun schnappen sich die Täter die Geldkassette und machen sich mit ihrer Beute davon.

Gefährlich wird es immer dann, wenn die Täter die Gas-Menge falsch einschätzen. "Die ist bei jedem Automaten anders", erklärt Gerd Otter. Vor allem bei in der Wand eingebauten Bankomaten könnten die Täter schwer abschätzen, wie viel nötig ist. Nehmen sie zu wenig, bleibt das Gerät ganz, nehmen sie zu viel, drohen erhebliche Schäden an den Gebäuden.

Im Zweifel nehmen die Täter eher zu viel. Die Folgen lassen sich am beschädigten Rathaus in Lübben oder dem im vergangenen Jahr zerstörten Supermarkt in Altdöbern studieren. "Dann kann es auch für Anwohner gefährlich werden, deshalb wollen wir weitere Taten möglichst unterbinden", so Otter.

Gegenmaßnahmen wurden bereits eingeleitet. So hat es Gespräche mit den Banken der Region gegeben, in denen diese über die Gefährdung, das Vorgehen der Täter und mögliche Sicherungssysteme informiert wurden. "Es gibt zwei technische Systeme", erläutert Otter. Das eine funktioniert mit einer Art Gegengas. Ein Detektor im Automaten erkennt, wenn Gas eingefüllt wird, und setzt ein anderes Gemisch frei, das das Explosionsgas neutralisiert.

Mehrere Tätergruppen

Die andere Variante funktioniert mit absichtlich herbeigeführten Explosionen. Wieder wird ein Detektor eingebaut, der das Gas registriert. Schlägt dieser an, folgen immer wieder kleine Zündungen im Automaten. Das Gas verpufft so und die kritische Masse für eine Explosion wird nie erreicht. "Der Täter kann dann Gas einfüllen, so viel er will, er erreicht sein Ziel nicht", erläutert Otter. Bei einem Angriff der Täter im Berliner Speckgürtel hat das System bereits gut funktioniert. Die Täter mussten ohne Beute abziehen.

Solche Sicherungssysteme kosten allerdings Geld. "Es liegt in der Entscheidungshoheit der jeweiligen Banken vor Ort, ob sie solche Systeme einbauen oder nicht", erklärt Otter.

Viele Spuren kann die Polizei an den Tatorten oft nicht mehr sicherstellen, einige sind es dennoch. So wissen die Ermittler bereits einiges über die Täter - auch wenn sie vieles wegen der laufenden Ermittlungen noch nicht preisgeben.

So handelt es sich nicht bei allen Taten um die gleichen Täter. Mindestens zwei Gruppierungen sind in der Lausitz am Werk. Fluchtwege führen unter anderem nach Osten und Süden - auch deshalb will die Fahndung nach den Tätern und ihren Fluchtfahrzeugen vor allem im Süden und Südosten Brandenburgs konzentrieren.

Abgleich mit Europol

Mit den europäischen Kollegen haben sich die Ermittler der Soko "Fläming" via Europol bereits ausgetauscht. Denn nicht nur die Lausitz ist betroffen. Es gibt europaweit eine Zunahme solcher Taten - und Hinweise auf Banden, die europaweit zuschlagen, ihre Zielgebiete immer wieder verlagern. Ob solche auch in der Lausitz am Werk sind, will Otter aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht verraten.

Bürgern, die Augenzeuge einer Tat werden, rät er, alles genau zu beobachten. "Wir sind dankbar für jeden Hinweis", so Otter. Einschreiten sollten Bürger aber nicht. "Die Täter gehen Konfrontationen aus dem Weg, wenn es aber dazu kommt, gehen sie mit Brutalität vor", warnt Otter.

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Zum Thema:
Deutsche, niederländische und belgische Polizeibehörden machen Front gegen international agierende Einbrecherbanden. Die zuständigen Minister von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen sowie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) haben mit ihren Kollegen aus Belgien und den Niederlanden Einzelheiten in der am Montag unterzeichneten "Aachener Erklärung" festgelegt. Geplant sind der Informationsaustausch zu international agierenden Tätergruppen, gemeinsame Ermittlungsgruppen und Kontrollmaßnahmen. "Was wir uns vorgenommen haben, ist die richtige Antwort auf die besorgniserregende Entwicklung, die wir in Deutschland seit einigen Jahren haben", sagte de Maizière nach der Unterzeichnung im Aachener Rathaus. Der Anstieg sei vor allem auf international agierende Banden vor allem aus Südosteuropa zurückzuführen, sagte der Innenminister. Mit der Vereinbarung bekomme die Zusammenarbeit eine neue Qualität. Seit rund zehn Jahren steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche kontinuierlich. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit mehr als 167 000 Einbrüche und Einbruchsversuche registriert, fast zehn Prozent mehr als im Jahr 2014. Die Aufklärungsquote lag bundesweit bei rund 15 Prozent. Der Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Michael Mertens, forderte angesichts der Quote mehr Personal und bessere technische Ausstattung. Außerdem müsse der Datenaustausch zwischen den Polizeibehörden der Länder verbessert werden, sagte er in der ARD. "Der Austausch dauert Tage, wenn nicht sogar Wochen oder Monate."