Aber er wollte sich noch zu Wort melden, in der Szene mitmischen. Ellsworth Kelly gehörte zu den weltweit einflussreichsten Künstlern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am Sonntag ist der US-amerikanische Maler und Bildhauer mit 92 Jahren in seinem Haus nahe New York gestorben, berichtete die "New York Times".

Kelly galt als einer der wichtigsten Vertreter des Hard Edge. Das wird nicht umsonst mit "harte Kante" übersetzt: Abstrakte Darstellungen mit klaren Linien und wenigen, unvermischten, stark akzentuierten Farben. Am besten auf weißem Untergrund. Kellys Farben sind leuchtend rot, strahlend gelb, tiefblau, aber schön getrennt. Das mochte unkreativ wirken, aber die Kreativität besteht darin, etwas daraus zu machen.

Mehrmals nahm Kelly an der Documenta in Kassel teil. 1973 widmete ihm das Museum of Modern Art in New York die erste Retrospektive. Eine weitere Retrospektive des New Yorker Guggenheim-Museums 1996 wurde später auch in München gezeigt. 2013 überreichte ihm US-Präsident Barack Obama die National Medal of Arts, die höchste Auszeichnung der USA für Künstler. Kellys 90. Geburtstag am 31. Mai 2013 würdigten mehrere Galerien mit Sonderschauen.

Der Zweite Weltkrieg brachte ihn nach Paris, dorthin kehrte er zurück. Die sechs Jahre waren prägend. Das New York, in das er zurückkam, verstand sich als progressiv, war aber für ihn viel zu konservativ. Die Szene wurde von Jackson Pollock und dem Abstrakten Expressionismus beherrscht, in den Galerien hingen große Bilder mit wirren Kurven, gemalt, getropft, gespachtelt. Kelly antwortete mit klaren Formen, wie mit Schablone und Lineal gezogen. Keine Farbe ging in die andere über. Das war neu, das war anders - und keiner wollte es sehen. Bekannt wurde Kelly 1959 mit der MoMA-Ausstellung "Sixteen Americans". 1958 schuf Kelly seine erste Skulptur. Was er da aus Holz schnitt, glich dem Totempfahl der Indianer. Dies sicherte ihm einen Platz in Deutschlands Herzem: In der US-Botschaft in Berlin wurde 2008 ein Totem von ihm aufgestellt.