Mit Kaminski steht ausgerechnet der Wächter der Leipziger Finanzen unter schwerem Verdacht. Er soll Roland Poser, seinem Wahlkampfhelfer im 1998er OB-Wahlkampf, nachträglich einen millionenschweren Provisionsvertrag zugeschanzt haben. Dabei ging es um die Vermittlung eines Investors für den Umbau des Leipziger Zentralstadions für die Fußball-WM 2006. Doch inzwischen tauchten aus diesem Wahlkampf auch dubiose Wahlkampfspenden auf, die offenbar widerrechtlich geteilt beziehungsweise nicht ordnungsgemäß verbucht wurden. Denkbar sind nicht nur Verstöße gegen das Parteienfinanzierungsgesetz, sondern auch Steuerhinterziehung und Betrug. Die Staatsanwaltschaft führt bereits ein Vorermittlungsverfahren. Zudem wurde Kaminski der Lüge überführt, weil er öffentlich bestritten hatte, dass Poser in seinem Wahlkampf aktiv war.
Mittlerweile ist aus dem Leipziger Klüngel ein landespolitisches Thema geworden, spätestens seit sich CDU-Generalsekretär Hermann Winkler und Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) gegenseitig die Verantwortung zuschieben. So forderte Winkler diese Woche Tiefensee auf, „endlich seinen Pflichten als Disziplinarvorgesetzter des Finanzbürgermeisters zu genügen und eine aktive, neutrale und fachkundige Aufklärung der Vorgänge um die Verflechtung zwischen dem OB-Wahlkampf 1998 und Geschäftspartnern der Stadt Leipzig in die Wege zu leiten“ . Im Klartext: Tiefensee solle Kaminski vom Amt des Kämmerers sofort suspendieren.
Tiefensee schoss jedoch zurück. Offenbar versuche Winkler ein Problem der CDU, das sie zu klären und zu bereinigen habe, „ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz auf die Stadt Leipzig abzuschieben“ . Er habe jedoch längst Prüfungen veranlasst und bedürfe keiner Belehrung durch die CDU. Mittlerweile hat Kaminski eine Forderung Tiefensees erfüllt und eidesstattlich versichert, dass er keinem seiner Wahlhelfer, Spender oder anderen Unterstützer wirtschaftliche Vorteile als Gegenleistung zugesagt oder gewährt habe.
Der Disput bleibt dennoch spannend - zumal Tiefensee ursprünglich als Spitzenkandidat der SPD im Landtagswahlkampf vorgesehen war. Zwar wurde inzwischen Landtags-Fraktionschef Thomas Jurk aus Weißwasser als Spitzenkandidat auserkoren. Doch Tiefensee bleibt freilich der prominenteste Vertreter der sächsischen SPD und Leipzig eine sozialdemokratische Hochburg - und damit ein Dorn im Auge der Sachsen-Union.
Die Partei hat jüngst mit Ex-Datenschützer Thomas Giesen einen parteiinternen Sonderermittler eingesetzt. Dessen Ergebnisse dürften neue Munition bedeuten. Pferdefuß für die eigene Partei: Die Unregelmäßigkeiten könnten auch dazu führen, dass die Landespartei 150 000 bis 200 000 Euro an Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) zahlen muss. - Dem Wächter für Verstöße gegen das Parteiengesetz.