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Mit Goldstaub dem Täter besser auf der Spur

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Kiel. Fast wie bei der US-Krimiserie "CSI": Ein deutscher Kripo-Chemiker erfindet eine neue Technik, bisher nicht auswertbare Fingerabdrücke eindeutig Tätern zuzuordnen. Die Polizei ist sicher, dass für Kriminelle härtere Zeiten anbrechen. André Klohn

Oft sichern Kriminaltechniker nach einem Verbrechen an Tatorten Fingerabdrücke. Doch nicht immer lassen sich diese zweifelsfrei Verdächtigen zuordnen - etwa wenn die Spuren nur rudimentär oder schlecht erhalten sind. Für diese bislang aussichtslosen Fälle verspricht eine neue Technik Hoffnung. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat bereits Interesse an dem patentierten Verfahren.

"Wir wissen von dieser Neuentwicklung und sind gespannt auf die Vorstellung der neuen Methode, die im Herbst 2015 erfolgen soll", sagt BKA-Sprecherin Barbara Hübner. Erfunden hat die Technik der Chemiker Norbert Buchholz vom Landeskriminalamt (LKA) in Kiel. Die Hoffnungen der Ermittler sind immens. "Für die Kriminellen brechen harte Zeiten an", frohlockt das LKA bereits.

Durch die neue Methode kann ein sehr viel detaillierteres Schwarz-Weiß-Bild eines Fingerabdrucks entstehen, bei dem auch Feinstrukturen wie Inseln, Poren oder spezielle Kantenverläufe der Papillarleisten (Hautlinien) sichtbar sind. Vereinfacht ausgedrückt: Im Idealfall reicht es bereits aus, wenn Täter nur einen Teil ihres Fingerabdrucks am Tatort hinterlassen, um den Abdruck zweifelsfrei zuzuordnen.

Eher ungewöhnlich: Inhaber des deutschen Patents ist das Innenministerium Schleswig-Holstein. Der 62-jährige Erfinder Norbert Buchholz selbst gibt sich bescheiden: "Eine Revolution würde ich das Verfahren nicht nennen." Noch nicht einmal einen Namen hat er dafür bislang gefunden. Jetzt gehe es für ihn erstmal darum, seine Methode in einer Fachzeitschrift zu veröffentlichen.

Große Hoffnungen mit der Technik verbindet bereits der Bund der Kriminalbeamten. "Dieses Verfahren ist ein gewaltiger Fortschritt", betont dessen Sprecher Karl-Gustav Günther in Kiel. Allerdings müssen Fingerabdrücke für die neue Methode im Original vorliegen. "Dann wird zur Not eine Ecke aus dem Möbelstück herausgeschnitten." Im Gegensatz zur herkömmlichen Technik, bei der das bei jedem Menschen individuelle Muster der Fingerkuppen mit Hilfe von Ruß oder Ninhydrin sichtbar gemacht wird, ist die neue Methode nicht so einfach zu handhaben.

Chemiker Buchholz setzt auf eine chemische Reaktion: Mithilfe einer kleinen Maschine werden ganz geringe Goldmengen auf den Fingerabdruck gestäubt. Anschließend wird der Fingerabdruck - vergleichbar wie früher in der Foto-Dunkelkammer - in eine Entwicklerflüssigkeit gelegt. Binnen weniger Sekunden ist das Ergebnis sichtbar.

Selbst mehrere Wochen alte Spuren, bei denen die Rußtechnik nicht weiterhilft, lassen sich auf diese Weise deutlich sichtbar machen. "Dadurch können wir in Fällen, in denen wir bislang mangels entsprechendem Spurenmaterial keinen Tatverdächtigen ermitteln konnten, nun gegebenenfalls einen Täter überführen", erklärt der Leiter der Kriminaltechnik im LKA, Attila Kuczmann. Weil die neue Technik allerdings sehr aufwendig ist, wollen die Kieler Ermittler sie zunächst nur bei einigen wenigen Fällen von besonderer Bedeutung anwenden.

Buchholz hat sein Verfahren während der Entwicklungsarbeit in den vergangenen zwei Jahren zwar bereits in unterschiedlichsten Konstellationen umfangreich auf seine Wirksamkeit getestet. Die Probe aufs Exempel bei einem tatsächlichen Verbrechen steht aber erst noch aus. "Das ist der spannende Fall, auf den ich noch warte", sagt Buchholz. Möglicherweise finden Ermittler dadurch auch in alten, bisher ungelösten Fällen neue Ansätze. Buchholz ist sich sicher: "Eine Chance ist immer da, das wir noch etwas herausfinden können."

Zum Thema:
Bei der Suche nach Verbrechern sichern Ermittler seit jeher Spuren am Tatort. Immer neue Verfahren werden entwickelt. Fingerabdrücke: Seit gut 100 Jahren nutzen Polizisten Spuren, die das Muster der feinen Hautoberfläche nachzeichnen. Wurden Spuren einst mit Pinsel und Pulver gesichert, läuft die Abnahme heute auch schon per Scanner. Gentest: Mithilfe des Abgleichs der menschlichen Erbsubstanz DNA können Verdächtige überführt und Unschuldige entlastet werden. Für die Untersuchung genetischen Materials genügen geringste Spuren - etwa Hautschuppen, Haare, Sperma, Schweiß oder Speichelreste. Ohrabdrücke: Substanzen an der Ohrhaut bilden einen Abdruck. Ohrgröße, Knorpelformen oder Ohrringe können Polizisten auf die richtige Spur bringen. Schuhabdrücke: Zur klassischen Kriminaltechnik gehören umfangreiche Schuhspurensammlungen. Die Spur wird auf eine Folie aufgebracht, fotografiert und im Computer mit anderen verglichen. Ein Stein in der Sohle oder ein schiefer Absatz können so zum Verbrecher führen. Fasern: Fasern und textile Mikrospuren, die mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sind, werden in aufwendigen Verfahren untersucht. Ergebnisse etwa zu Art und Farbe der Textilien werden mit Kleidungsstücken von Verdächtigen verglichen.Schmauchspuren: Jeder Schuss setzt mikroskopisch kleine Partikel frei, die an der Hand des Schützen und seiner Kleidung nachweisbar sind. Die Auswertung dieser Spuren kann auch über die Entfernung und Richtung des Schusses Auskunft geben.