Eine Aufgabe, die viele angesichts der tiefen Zerrissenheit des Landes für eine Mission impossible hielten. Und vor einer Woche sah es genau danach aus, als Di Rupo das Handtuch werfen wollte.

Dann, in der Nacht zum Samstag, gelang dem 60-Jährigen doch noch der Durchbruch: Mit der Einigung der sechs beteiligten Parteien auf einen Haushalt ist der entscheidende Stolperstein genommen. König Albert II. beauftragte Di Rupo umgehend, „so rasch wie möglich“ die Regierung zu schmieden. Noch vor Weihnachten könnte er zum ersten Wallonen und zum ersten Sozialisten seit mehr als 30 Jahren an der Spitze der belgischen Regierung ernannt werden.

Einen langen Atem hat Di Rupo in seinem Leben schon oft gebraucht. In eine kinderreiche italienische Einwandererfamilie hineingeboren, lernte er bereits in frühen Jahren die Härten des Lebens kennen. Als er gerade ein Jahr alt ist, stirbt sein Vater, ein Minenarbeiter. Die Mutter zieht die insgesamt sieben Kinder alleine mithilfe einer schmalen Rente auf. Einige Geschwister müssen aus Not vorübergehend ins Waisenhaus ziehen.

In der Schule tut sich der kleine Elio lange schwer, wiederholt ein Schuljahr mehrmals bevor er auch dank der Unterstützung eines Lehrers schließlich Ehrgeiz entwickelt: Er macht einen Abschluss in Chemie, promoviert und startet eine politische Karriere. Die führt ihn nicht nur an die Spitze der frankofonen Sozialisten in der Wallonie, ins Bürgermeisteramt der Stadt Mons, sondern wohl bald auch ins Amt des Ministerpräsidenten.

Die Aufgabe, die nun auf Di Rupo zukommen wird, ist alles andere als einfach: Auch Belgien ist im Zuge der Schuldenkrise schwer angeschlagen.