Am frühen Samstagmorgen des vergangenen Wochenendes werden die Rettungssanitäter der Feuerwehr in den Nachtklub Nachtigall in Berlin-Charlottenburg gerufen, weil zwei betrunkene Männer Hilfe gebraucht hätten, teilte ein Feuerwehrsprecher mit. Als sie die Einsatzkräfte im Club eintrafen, wurden sie aus einer rund 20-köpfigen Gruppe mit Worten und auch körperlich attackiert, wurden bespuckt und getreten.

Die Helfer zogen sich daraufhin zurück und alarmierten die Polizei. Der Rettungswagen wurde mit einer Bierflasche beworfen und beschädigt, einer der Helfer wurde leicht verletzt. Die Polizei brachte die Lage den Angaben zufolge unter Kontrolle. Zu Tatverdächtigen liefen am Sonntag noch Ermittlungen. Bisher gab es keine Festnahmen, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die beiden Betrunkenen kamen in ein Krankenhaus.

Mit Unverständnis reagierte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Benjamin Jendro, auf die Attacke: „Wir reden über Menschen, die ihre Lebensenergie überwiegend dafür verwenden, dass es anderen gut geht und Menschen in Not geholfen werden kann.“ Er verurteilte, dass sie dafür angefeindet werden. „Ich wünsche dem verletzten Kollegen alles Gute.“

Allein in Berlin hat es im Vorjahr 240 Angriffe auf Helfer gegeben. Für sehr viel Empörung sorgte ein Fall Ende August 2018.

Als Rettungskräfte in einer Kita im Stadtteil Moabit einen kleinen Jungen wiederbeleben wollen, stört ein wütender Autofahrer den Einsatz und beschimpfte die Retter. Ein 38-Jähriger soll im Januar im Stadtteil Kreuzberg einen Rettungswagen und dann auch Sanitäter mit Böllern beworfen haben. Zum Gerichtsprozess deswegen erschien der Mann nicht. Anfang Januar 2018bewirft ein Mann in Berlin zwei Sanitäter im Einsatz mit Böllern, spuckt einem ins Gesicht und versucht auf einen Defibrillator zu urinieren.

Kiefer gebrochen, Zähne ausgeschlagen

Doch nicht nur in Berlin, sondern bundesweit nehmen die Angriffe auf Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei zu. Teilweise werden die Rettungskräfte auch schwer verletzt. So etwa im Juni 2018 in München. Ein 20-Jähriger schleuderte eine fast volle Whiskeyflasche durch die Scheibe eines Notarztwagens. Die Notärztin erlitt einen Kieferbruch, etliche Schnittverletzungen und verlor mehrere Zähne. „Der Vorfall am Freitagabend war ein Ereignis ungeahnter und unvorhersehbarer Gewalt gegen Menschen, deren Aufgabe es ist, Mitmenschen zu helfen. So etwas kann nicht entschuldigt werden und darf nicht wieder passieren“, schrieb der Dienststellenleiter der Münchener Feuerwehr, Wolfgang Schäuble, in einem Statement.

Auch Feuerwehrleute und Rettungskräfte werden in der Lausitz im Einsatz immer öfter tätlich angegriffen. In Dahme etwa bepöbelt ein Mann die Feuerwehr, die gerade einen Hausbrand löscht. In Lauchhammer greifen im Juni 2018 zwei Männer Rettungskräfte an, schlagen mit Fäusten auf den Rettungswagen, bedrohen die Helfer. „Das Thema ist ganz eindeutig der mangelnde Respekt gegenüber unserer Arbeit, der Einsatzstelle, den Absperrungen und zum Teil auch den Opfern“, sagte Andy Hoffmann, der stellvertretende Stadtbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Finsterwalde in einem Gespräch mit der RUNDSCHAU im Oktober.

Auch Gewalt gegenüber Polizisten nimmt zu

Doch nicht nur Feuerwehrkräfte sind immer wieder mit Gewalt und Angriffen konfrontiert. Auch die Polizei wird zunehmen das Opfer von Übergriffen. In Brandenburg gab es 2018 laut der Statistik des Bundeskriminalamtes 811 Fälle von Widerstand gegen Polizeibeamte. In Sachsen waren es 1046. Während die Angriffe auf die Polizei statistisch erfasst werden, ist das bei Übergriffen auf Sanitäter und Feuerwehrleute nicht immer der Fall - außer die Polizei muss hinzugerufen werden.

Der Deutsche Bundestag hatte 2017 die Strafen für Angriffe auf Rettungskräfte verschärft. Unter anderem wurde ein neuer Straftatbestand des "Tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte" geschaffen. Dafür wurde ein Strafrahmen von drei Monaten bis fünf Jahren festgelegt.

Neue Kampagne des Innenministeriums

Im September 2017 hat das Bundesinnenministerium eine Kampagne „Stark für Dich. Stark für Deutschland“ gestartet, um das gesellschaftliche Klima gegenüber uniformierten Polizei- und Rettungskräften verbessern. Nun hat das Bundesinnenministerium auf seiner Twitter-Seite eine neue Kampagne angekündigt, um für mehr Verständnis für und Respekt gegenüber der Arbeit von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften zu sorgen. Am 7. Mai soll die Kampagne starten.

Ausführliche Informationen zur Gewalt gegen Rettungskräfte, zur Dunkelziffer solcher Vorfälle und zur Möglichkeit der strafrechtlichen Verfolgung gibt es in diesem Beitrag des Feuerwehrmagazins.