Eigentlich war schon zehn Minuten nach Beginn der Pressekonferenz alles gesagt - aber nicht von allen. Und so sahen sich Größen wie Frankreichs Nicolas Sarkozy, Großbritanniens Gordon Brown oder Spaniens José Zapatero ermuntert, jeweils mit unterschiedlichen Akzenten zu wiederholen, was Angela Merkel von dem vierstündigen Treffen berichtet hatte. Man wolle in London erreichen, dass alle Finanzmärkte und -produkte künftig einer internationalen Aufsicht unterliegen, auch die Hedgefonds, sagte die Kanzlerin. Man wolle "mit wirksamen Sanktionen" gegen Steueroasen vorgehen, und die Namen "derjenigen, die sich einer Kooperation verweigern" auflisten. Man wolle, dass die Banken in guten Zeiten einen größeren Eigenkapitalpuffer aufbauen. Und man plane eine "Charta für nachhaltiges Wirtschaften", eine Art Welt-Kodex für Unternehmer, inklusive der Einschränkung von Bonuszahlungen.Nur heftiges Grinsen Trotzdem war es gut, dass jeder der Staatschef das noch einmal selbst sagte. So wurde die Dimension des Geschehens deutlich. Denn eine solche Gemeinsamkeit wäre vor wenigen Jahren undenkbar gewesen, wie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hervorhob. Die Briten etwa hatten sich beim G8-Gipfel in Heiligendamm der Kontrolle der Finanzmärkte noch versagt. Sarkozy nannte London "die letzte Chance", um die Krise in den Griff zu bekommen. "Wenn wir scheitern, gibt es keinen Weg zurück." Einzig Silvio Berlusconi fiel etwas aus dem Rahmen der gebotenen Ernsthaftigkeit, weil er gar nicht auf die Beschlüsse einging, sondern nur meinte, dass Italien "nicht solche Probleme hat, wie sie die Kollegen geschildert haben". Wären da nicht mehr als 200 Journalisten und fünfzig Kameras vor ihnen gewesen, Merkel und die anderen hätten sich wohl auf die Schenkel geklopft. So grinsten sie nur heftig. Italiens Verschuldung ist die höchste unter den großen EU-Staaten und wächst rasant.Treffen von Kerneuropa Der deutsch-französische Streit um Sarkozys Hilfen für die französische Autoindustrie wurde umschifft. Man sei sich einig, bei der akuten Krisenbewältigung sicherzustellen, dass der Wettbewerb "in geringst möglicher Weise" verzerrt werde, sagte Merkel dazu nur. Das Problem seien eher die USA, mit denen man aber im Gespräch sei. Sarkozy nickte zufrieden. Einig war man sich auch, dass der Protektionismus in der Krise nicht Einzug halten dürfe. Freier und fairer Welthandel sei das Gebot der Stunde. Auch die Forderung von einem Dutzend Greenpeace-Demonstranten, die draußen in gebührendem Abstand zum Kanzleramt einen Green Deal, einen grünen Zukunftsplan, forderten, nahm die Runde auf. Das gehöre zu den Weichenstellungen, vor denen man jetzt stehe, sagte etwa der Niederländer Jan Peter Balkenende. Die ganze Veranstaltung wirkte wie ein Treffen von Kerneuropa. Die Atmosphäre war kollegial und locker. Die deutsche Seite war mit dem Ergebnis zufrieden, die Gäste, die jeweils mit großen Journalistenpulks angereist waren, auch. Die Demons tranten rollten ihr Transparent wieder zusammen. "Wäre die Welt eine Bank, hättet ihr sie längst gerettet", stand darauf. Aber das hatten sie da drinnen im Kanzleramt ja den halben Sonntag lang versucht. Während Opel einen Rettungsplan gegen die drohende Pleite angekündigt hat, gibt es für den insolventen Autobauer Saab offenbar kaum noch Überlebenschancen. Beide Firmen sind Töchter des angeschlagenen US-Produzenten General Motors (GM). Opel hoffe, auf diese Weise den nötigen Bürgschaftsrahmen zu erhalten, kündigte Sprecher Frank Klaas am Sonntag an. Damit würde der deutsche Autobauer auch eine zentrale Forderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und zahlreichen anderen Politikern erfüllen, die Staatshilfen von einem Sanierungskonzept abhängig gemacht hatten. Zu Medienberichten über die drohende Zahlungsunfähigkeit äußerte sich der Opel-Sprecher nicht. Momentan sei das Unternehmen zahlungsfähig. Die von Opel angestrebte Staatsbürgschaft hat nach Informationen aus Konzernkreisen ein Volumen von rund 2,6 Milliarden Euro.Opel-Konzernbetriebsratschef Klaus Franz kritisierte Mutmaßungen über eine angeblich drohende Insolvenz scharf. "Derzeitige Spekulationen und Unterstellungen über die Zahlungsfähigkeit von Opel verunsichern Kunden, Händler, Zulieferer und nicht zuletzt die Beschäftigten von Opel", erklärte er. Das gefährde Gespräche über eine staatliche Bürgschaft. Franz unterstrich, es bestehe die Chance, dass Opel "erstmals eigenständig operieren könnte und nicht Opfer des Desasters von GM in den USA wird". Er sprach sich auch für vorübergehende staatliche Einlagen bei dem Autobauer aus. Damit könne Opel unabhängig werden: "Scheitern diese Bestrebungen, wird Opel in die Arme von GM zurück getrieben. Belegschaften, Händler und Zulieferer fallen dann den berüchtigten GM-Sanierungsmethoden zum Opfer."Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt bekräftigte, dass seine Regierung die von General Motors (GM), dem um sein Überleben kämpfenden Mutterkonzern von Saab und Opel, gewünschte Soforthilfe zur vorläufigen Fortsetzung der Produktion ablehnt. Die Chancen auf eine Zukunft zusammen mit Opel wurden in Stockholm als minimal eingestuft. dpa/ab