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| 02:40 Uhr

Mit der Sonde "Luna 9" begann vor 50 Jahren eine neue Raumfahrt-Ära

Moskau veröffentlichte zwei Tage nach der erfolgreichen Mission diese Zeichnung der gelandeten Mondsonde Luna 9.
Moskau veröffentlichte zwei Tage nach der erfolgreichen Mission diese Zeichnung der gelandeten Mondsonde Luna 9. FOTO: dpa
Moskau. Wenige Jahre nach der Sputnik-Mission und Juri Gagarins Erstflug schreibt die Sowjetunion 1966 erneut Raumfahrtgeschichte. Eine Sonde landet weich auf der narbigen Oberfläche des Mondes. Wolfgang Jung

Nach dem Start explodiert, bei der Landung zerschellt, im Weltraum verschollen: Die Eroberung des Mondes war lange Zeit eine Geschichte von Pannen - bis zu einem Donnerstag vor 50 Jahren. Am 3. Februar 1966 setzt um 19.45 Uhr MEZ erstmals ein von Menschen gebautes Objekt unbeschädigt und funktionsfähig auf dem Erdtrabanten auf. Als die sowjetische Sonde "Luna 9" wenig später Signale sendet, ist in Moskau der Stolz auf das technische Bravourstück groß. "Der Mond spricht jetzt russisch", ruft ein Wissenschaftler begeistert. In der Raumfahrt hat eine neue Zeitrechnung begonnen - nur drei Jahre später betritt der erste Mensch lunares Neuland.

Zunächst ist der Erd-Nachbar aber vor allem ein Friedhof für Sonden. Rakete um Rakete schießen Amerikaner und Sowjets in einem kosmischen Wettlauf Richtung Orbit. Doch sie detonieren entweder in der Luft, verfehlen den Mond oder zerbrechen bei der zu harten Landung.

Am 31. Januar 1966 hebt dann die insgesamt eineinhalb Tonnen schwere "Luna 9" vom Weltraumbahnhof Baikonur ab. Drei Tage später bremst der Apparat rund 75 Kilometer über dem Mond ab. Der 99 Kilogramm schwere Landekörper setzt punktgenau im "Ozean der Stürme" auf. Als sich die Antennen entfalten, steht die 58 Zentimeter große Sonde wie eine exotische Blume in der Kraterlandschaft. 75 Stunden lang sendet das Raumgefährt Messwerte, dann ist die Batterie erschöpft.

Vier Monate später landet die US-Sonde "Surveyor 1" auf dem Mond. Doch trotz vieler Messungen und Fotos und inzwischen sechs bemannter Missionen: "Auch ein halbes Jahrhundert nach der historischen Landung von ,Luna 9‘ ist uns der Mond fremd geblieben", sagt der Forscher Iwan Uschakow. "Wir haben das Rätsel seiner Herkunft noch nicht gelöst. Manche Fragen konnten wir zwar klären, aber jede Mission wirft weitere Probleme auf."

Das vielleicht größte Rätsel ist seit der Landung von "Luna 9" gelöst: wie tragfähig die Oberfläche ist. Lange fürchteten Experten in Washington und Moskau, dass der Mond von haushohen Staubschichten bedeckt sein könnte, in denen Astronauten und Raumfähren versinken. Doch die sowjetische Sonde bleibt auf federnden Teleskop-Beinen stabil stehen und funkt nach kurzer Zeit Fotos von ihrem Landeplatz zur Erde.

Kanadische Experten der University of Western Ontario suchen den rund 400 000 Kilometer entfernten Mond seit Jahren mit Spezialgeräten ab. Ihr Ziel: "Luna 9". Die Sonde gilt seit ihrer historischen Mission als verschollen und konnte bisher auf keinem Foto ausfindig gemacht werden. Geografie-Professor Philip Stooke hofft, dass einmal eine Aufnahme vom heutigen Zustand des Apparats gelingt. "Luna 9 hat einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung des Alls geleistet. Sie gehört zum Erbe der Menschheit", betont er.