Am Sonntag wird Marshall 75 Jahre alt.

Doch ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Im Gegenteil: Ein "Feuerwerk der Volksmusik" will er in den nächsten Monaten abbrennen, verspricht er. Seit 57 Jahren steht Tony Marshall auf der Bühne. Nicht nur die "Schöne Maid" hat Kultstatus erreicht, ebenso "Die Hände zum Himmel". Bekannt sind auch die Lieder "Junge, die Welt ist schön", "Heute hau'n wir auf die Pauke", "Ach lass mich doch in Deinem Wald der Oberförster sein", "Komm gib' mir Deine Hand" und "Auf der Straße nach Süden".

Seine Paraderolle hat der gelernte Opernsänger vor acht Jahren im Musical "Anatevka" gefunden, bei dem er als Milchmann Tevje inzwischen mehr als 200-mal das Publikum begeisterte und manche Kritiker erstaunte. Vor seinem großen Durchbruch hatte der Musiker, der eigentlich Herbert Anton Hilger heißt, schon zwei Platten in den Sand gesetzt. Dann kam die "Schöne Maid" - und aus Herbert Anton Hilger wurde endgültig Tony Marshall.

Die Lust am Singen ist ihm offensichtlich in die Wiege gelegt. Mit sieben Jahren trällerte er im kirchlichen Knabenchor, und der Pastor drängte auf Talentförderung des "Jungen mit der schönen Stimme". Vor dem Studium mit klassischer Gesangsausbildung in Freiburg und Karlsruhe absolvierte er eine kaufmännische Lehre und heiratete seine Sandkastenliebe Gaby. Die Söhne Marc und Pascal und eine behinderte Tochter kamen auf die Welt. Tony arbeitete im Familienbetrieb, verlegte tagsüber Wasserleitungen, nachts besserte er die Finanzen als Croupier im Spielkasino der Kurstadt auf.

Im Laufe der Zeit sammelte er mehr und mehr Goldene Schallplatten. Seine Heimatstadt Baden-Baden ehrte den Sohn mit einem "Tony-Marshall-Weg".

Er selbst hat ein kleines Museum im Nebenzimmer seines griechischen Stammlokals eingerichtet, mit etlichen Erinnerungsfotos und einer Auszeichnung aus den USA "für den besten deutschen Sänger".