Bei den Paralympischen Spielen in Peking gehört der 30-jährige He zu den Helden des Festivals für Athleten mit körperlichen Behinderungen.
Doch He, der Favorit für die Goldmedaille, wird an diesem Tag nur Zweiter, den Bruchteil einer Sekunde kommt er hinter dem Brasilianer ins Ziel. Er hat einen entscheidenden Nachteil: Er kann nur mit dem Kopf am Beckenrand anschlagen - He hat keine Arme.
Nicht nur im Ausland, sondern auch in seiner Heimat war He bis vor kurzem weitgehend unbekannt, obwohl er bei den Paralympics in Sydney 2000 und Athen 2004 bereits acht Goldmedaillen gewonnen und seither mehrere Weltrekorde gebrochen hat. Als Dreijähriger hatte er beide Arme durch einen Unfall verloren. Im Wasser bewegt er sich lediglich mit der Kraft seiner Beine und geschickten Bewegungen seines Körpers voran.
Chinas Medien feiern ihn und die anderen Athleten, die in diesen Tagen große Leistungen erbringen, als Helden. Auf den Straßen und im Internet reagieren viele Chinesen allerdings zurückhaltender: "Mein Mann ist sportbegeistert und schaut die ganze Zeit die paralympischen Wettbewerbe", klagt eine Chinesin im Tianya-Internet-Forum. "Aber ich kann mich nicht daran gewöhnen, behinderten Menschen beim Sport zuzuschauen." Eine andere Pekingerin ist positiver eingestellt: "Ich habe das Gefühl, dass ich mich nicht mehr erschrecken muss, wenn ich Menschen mit Behinderungen im Alltag begegne." Die Spiele in Peking haben dazu geführt, dass Sportler wie He so viel Aufmerksamkeit wie nie zuvor in China erhalten. In der Öffentlichkeit war das Interesse für die Situation Behinderter und ihre sportlichen Leistungen bislang gering. Viele der 83 Millionen Behinderten in China leben zurückgezogen in ihren Wohnungen - aus Angst vor verächtlichen Blicken und vor den Schwierigkeiten, sich in einer Stadt ohne Fahrstühle, Hörsignal-Ampeln und abgesenkten Bürgersteigen zu bewegen.
Doch nun überträgt, wie schon bei den Olympischen Spielen im August, der Sportkanal des zentralen Senders CCTV den ganzen Tag lang die paralympischen Wettkämpfe. Eine Gebärdensprecherin für gehörlose Zuschauer wird in einer Ecke des Bildschirms eingeblendet, und Kommentatoren erklären Regeln und Besonderheiten der Disziplinen.
Im neuen "Wasserwürfel" drängen sich Dutzende Rollstuhlfahrer aus aller Welt in den ersten Reihen. Die Ränge sind bis hoch hinauf besetzt. Darunter sind Zuschauer, die das Gebäude besichtigen wollen sowie echte Sportfans und Gruppen, die ihre Karten von Universität, Schule oder Betrieb erhalten haben. Die Stimmung ist gut. Nicht immer ist den Zuschauern klar, an welchen Behinderungen die Sportler leiden, einige scheinen auf den ersten Blick nahezu körperlich gesund. Lediglich Kürzel wie "S 12" weisen auf den Grad der Behinderung hin.
Der Schwimmer He kämpft in der Klasse "S 5". "Ich bin am Anfang zu schnell losgeschwommen", sagt He, der seine Enttäuschung über das verpasste Gold erst verarbeiten muss. "Deshalb habe ich am Ende nicht mehr genug Kraft gehabt."