Doch um in den Genuss der durch den Grenzfluss geprägten Auenlandschaft zu gelangen, mussten die meisten Radtouristen bisher vor allem mit Bus, Bahn oder Auto in die Region reisen, wenn sie sich nicht mit dem Drahtesel entlang viel befahrener Straßen oder auf unbefestigten Waldwegen an ihr Ziel kämpfen wollten. Das soll sich nach den Planungen der Kreisverwaltung von Märkisch Oderland nun ändern. Spätestens in einem Jahr können Besucher mit dem Drahtesel gleich in Berlin durchstarten, um auf dem Europa-Rad-Fernwanderweg 1 (R 1) rund 100 Kilometer bis in den Grenzort Küstrin-Kietz die Gegend östlich Berlins zu erkunden. Pünktlich zum Frühlingsbeginn hat der Ausbau der letzten 16 Kilometer langen Lücke begonnen.

Ergänzung bisheriger Wege
Außerdem erfolgt heute auf einem 1,4 Kilometer langen Bauabschnitt bei Karlshof der erste Spatenstich für den Oderbruchbahn-Radweg. Das neue Radlerparadies soll auf der Trasse der stillgelegten Oderbruchbahn entlang führen. Spätestens ab 2008 können Ausflügler dann auf zusätzlichen 112 Kilometern durch Ostbrandenburg radeln. Der neue Radweg verbindet 29 Gemeinden sowie Ortsteile von Fürstenwalde über Buckow in der Märkischen Schweiz und Müncheberg bis ins nördliche Oderbruch bei Wriezen. Er ist eine reizvolle Ergänzung, kreuzt den R 1 und schließt letztlich an den Oder-Neiße-Radweg an.
Der Name der neuen Trasse ist dabei Programm. Genutzt für den Radwegebau wird die historische Streckenführung der ehemaligen Oderbruchbahn, fernab stark befahrener Straßen. 1911 war der Bahntrassenbau begonnen worden, nach einem Jahr war die Anbindung fertig, die das Oderbruch als Korn- und Gemüselieferant mit Berlin verband.
44 Orte zwischen Fürstenwalde und Wriezen lagen einst an der 123 Kilometer langen Oderbruchbahn-Trasse, die durch den Zweiten Weltkrieg und das Winterhochwasser 1947 stark beschädigt wurde. Erst 1950 war die gesamte Bahntrasse wieder nutzbar, doch Schienenbrüche und Entgleisungen gehörten zum Alltag.

Strecke stückweise stillgelegt
1972 kam das Aus für die Oderbruchbahn, Streckenabschnitte wurden etappenweise stillgelegt. Heute sind für Ausflügler noch alte Bahnhöfe zu entdecken, inzwischen längst zu Wohnhäusern geworden. Teilweise ist auch noch der etwas erhöhte Bahndamm erhalten, sodass sich dem Radwanderer ein weiter Blick über das Oderbruch bietet.