Bisher war die Strategie erfolgreich, der Bundeswehr auf dem Rechtsweg Einhalt zu gebieten: Der Übungsbetrieb ist untersagt. Am heutigen Donnerstag steht eine weitere Entscheidung an. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg urteilt in zweiter Instanz über die Betriebserlaubnis des Bundesverteidigungsministeriums vom Juli 2003, die vier Jahre darauf vom Potsdamer Verwaltungsgericht wieder aufgehoben wurde. Nicht alle Klagen der Bombodrom-Gegner hatten Erfolg. Von den Anwohnern, Kommunen, einer evangelischen Gemeinde und dem Landkreis, die 1994 den Rechtsstreit aufgenommen haben, sind einige auf der Strecke geblieben. Vorbeugende Klagen wegen zu erwartender Hörschäden durch Fluglärm seien abgewiesen worden, erzählt der Sprecher der Bombodrom-Gegner, Benedikt Schirge. Auch die Klage der Kirchengemeinde, die zu DDR-Zeiten den Verkauf von Grund und Boden auf dem Gelände an den Staat verweigert hatte, ist gescheitert. Mit der finanziellen Entschädigung der Gemeinde nach der Wende sei die Sache erledigt, hieß es. Dem Landkreis wurde bescheinigt, er habe beim Thema Bombodrom keine Klagebefugnis. Andererseits wurde die Bundeswehr gezwungen, die Militärschilder an der Bombodrom-Grenze zu überkleben. Das Urteil des Brandenburger Oberverwaltungsgerichts von 1999 zählt er zu den großen Erfolgen der Bombodrom-Gegner. Die Kyritz-Ruppiner Heide sei als "grüne Wiese" zu betrachten, hätten die Richter geurteilt, sagt Pfarrer Schirge, Mitbegründer der Bürgerinitiative "Freie Heide". Die Bundeswehr müsse daher ein neues, förmliches Planungsverfahren starten. Doch das Bundesverwaltungsgericht nahm diese Einschätzung im Dezember 2000 wieder zurück: Das Gelände sei eine militärische Liegenschaft, eine Weiternutzung durch die Bundeswehr möglich. Aber die Interessen der Anlieger müssten berücksichtigt werden. Und so verpflichtete das Gericht das Verteidigungsministerium zu einem Anhörungsverfahren und einer Abwägung der unterschiedlichen Interessen. Um diese Anhörung dreht sich der aktuelle Rechtsstreit. Denn die Gegner sehen sich durch das Vorgehen der Bundeswehr bei dem Verfahren nicht ernst genommen. Gehör hätten nur einige Betroffene gefunden. Der damalige Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hatte dennoch die Betriebserlaubnis erteilt. Die Antwort folgte umgehend mit neuen Klagen. So entschied das Potsdamer Verwaltungsgericht am 31. Juli 2007, die Betriebserlaubnis sei rechtswidrig erteilt worden - und hob sie auf.