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| 02:39 Uhr

Mit dem Fernbus durch die Lausitz

Die Strecke von Cottbus nach Berlin, Bahnhof Südkreuz, schafft der Flixbus in einer Fahrzeit von einer Stunde und 25 Minuten.
Die Strecke von Cottbus nach Berlin, Bahnhof Südkreuz, schafft der Flixbus in einer Fahrzeit von einer Stunde und 25 Minuten. FOTO: dpa
Bautzen/Cottbus/Berlin. Vor vier Jahren liberalisierte die Bundesregierung den Fernbusmarkt. In Brandenburg entwickeln sich die Buslinien nur langsam. Eine Ausnahme ist die Lausitz. Benjamin Lassiwe / iwe1

Nach und nach kommen die Reisenden zur Bushaltestelle fünf am Görlitzer Hauptbahnhof. Einige Minuten vor der geplanten Zeit fährt ein grüner Reisebus vor. Es ist die Linie 239 des privaten Busunternehmens "Flixbus": Von Görlitz aus fährt der Bus über die Autobahn nach Bautzen, von dort über die Bundesstraße 96 nach Hoyerswerda, über Spremberg und Cottbus nach Berlin. Und während sich die Zahl der Zusteiger ab Görlitz noch in Maßen hält, sind ab Bautzen an diesem Sonntagvormittag jede Menge Reisende an Bord: Studenten auf der Rückreise vom Familienbesuch, Auszubildende auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle in Berlin. Vor allem junge Leute nutzen den Fernbus als billige Alternative zur Bahn.

Zumal es gerade von Bautzen aus kaum attraktive Bahnverbindungen in die Bundeshauptstadt gibt: Mit der schnellsten Verbindung ist man mit Umstiegen in Görlitz und Cottbus 3:28 Stunden unterwegs. Der Fernbus braucht fahrplanmäßig 3:35 Stunden, fährt aber direkt. Und Fahrkarten sind im Internet schon für wenige Euro erhältlich.

Selbst auf der Strecke Cottbus-Berlin ist der Flixbus mit einer Fahrzeit von einer Stunde und 25 Minuten bis zum Bahnhof Südkreuz einigermaßen konkurrenzfähig: Die Odeg braucht ähnlich lange bis zum Berliner Hauptbahnhof.

Und auf der Nachmittagsabfahrt ab Cottbus bedient der Fernbus auch den Berliner Flughafen Schönefeld - auf eine Direktverbindung mit dem Zug warten die Lausitzer bekanntlich schon länger.

Doch das große Problem der im Gegensatz zum Nahverkehr privat finanzierten und nicht mit teuren öffentlichen Geldern geförderten Fernbusse in Brandenburg ist bislang ein anderes: Nur wenige Städte werden bedient, und das auch nur selten. Bislang etwa fuhr der Flixbus von Görlitz nach Berlin nur viermal pro Woche durch die Lausitz - die Konkurrenz durch die mittlerweile eingestellten Verbindungen von ADAC Postbus und Berlinlinienbus lies scheinbar keine häufigeren Verbindungen zu.

Mittlerweile wird die Verbindung an den meisten Wochentagen zweimal angeboten - von einem "Fahrgastrekord in der Lausitz" spricht das Unternehmen Flixbus in einer Pressemitteilung.

Jenseits aller Werbesprüche ist Cottbus zumindest besser an das Fernbusnetz angebunden, als die meisten übrigen Regionen Brandenburgs. Wer von der Landeshauptstadt Potsdam aus einen "Flixbus" buchen will, kann das laut Buchungssystem erst wieder ab dem 7. April.

"Wir bedienen im Winter bestimmte Strecken nicht", sagte eine Sprecherin des Unternehmens. "Und der ZOB in Berlin, wo wir sehr viele Verbindungen anbieten, ist von Potsdam ja auch nur einen Katzensprung entfernt."

In der Uckermark oder der Prignitz sind die privaten Fernbusse gar nicht zu finden. Und das, obwohl es auf der Buslinie zwischen Berlin und Hamburg im Durchschnitt zwei Fahrten pro Stunde gibt. "Ich weiß, dass es seit Längerem Bemühungen von ortsansässigen Unternehmen gibt, den Fernbus etwa am Autobahndreieck in Wittstock oder in Heiligengrabe halten zu lassen", sagt die Prignitzer SPD-Politikerin Katrin Lange der RUNDSCHAU. Denn viele junge Leute aus der Region würden zur Ausbildung nach Hamburg oder Berlin fahren. "Ich denke, da gibt es einen Bedarf."

Und nachdem es nicht gelungen sei, eine Nachtzugverbindung in die Region zu etablieren, könnte ein abendlicher Fernbushalt das Problem zumindest etwas lösen.

Und auch in der Lausitz sieht die Wirtschaft das Engagement der Fernbusse grundsätzlich "sehr positiv". "Fernbusse sind ein vom Unternehmer selbst finanzierter Verkehr - da können wir als Wirtschaft nichts dagegen haben", sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, Jens Krause.

Die von der IHK seit Langem erhobene Forderung einer Direktverbindung zum Flughafen Schönefeld setze Flixbus bereits um - "aber der Fernbus hat das Problem, dass die Reisenden mindestens 50 Kilometer in ihm zurücklegen müssen." Deswegen könnten viele Orte davon nicht profitieren. "Wir hoffen deswegen weiterhin auf direkte Bahnverbindungen nach Schönefeld - und sehen die privat finanzierte Busverbindung hier auch als Ansporn für den VBB."