Die hält bis heute an, obwohl in den 80er-Jahren in der damaligen DDR die letzten Tuben gefüllt und verkauft wurden. Der Dresdner Erfindung ist zu ihrem 100. Geburtstag von diesem Donnerstag an eine Ausstellung im Dresdner Hygiene-Museum gewidmet.
Historische Reklametafeln und andere Werbemittel, Verpackungen, Fotos und natürlich teilweise noch originale Produkte zeigen in der Schau die Erfolgsstory von "Chlorodont" aus Sachsen. Heute gehört die Marke der Dresdner Firma DENTAL-Kosmetik GmbH & Co.KG, die nach der Wende den Ost-Betrieb VEB Elbe-Chemie übernahm. Durch einen glücklichen Zufall wurden historische Dokumente gerettet, die an die Vorgängerfirma Leo-Werke des Apothekers erinnerten.
Sebastian Köpcke, der mit Thomas Gubig das Werkarchiv betreut und die Ausstellung gestaltete, freut sich immer wieder über neue Stücke. Auf Auktionen oder Trödelmärkten werden von Zeit zu Zeit Kostbarkeiten zur "Chlorodont"-Geschichte entdeckt. "Gerade konnte über das Internet in Australien ein Emailleplakat aus den 30er-Jahren erworben werden", sagt Köpcke.
Die Geburtsstunde schlug 1907 in einem Hinterzimmer der Dresdner Löwen-Apotheke. "Dort fertigte von Mayenburg das Mittel für schöne, weiße und vor allem gesunde Zähne", erzählt Gubig. In Mörsern wurden die Grundstoffe fein zerstoßen, zu einer Paste angerührt und schließlich in Metalltuben gefüllt. Es war quasi eine Verbindung von Zahnpulver und Mundwasser. "Mit einer bislang beispiellosen Kampagne gelang es von Mayenburg, die Deutschen fürs gründliche Putzen der Zähne zu begeistern", erklärt Köpcke. Die Ausstellung zeigt auch Aufklärungsplakate, die vor kranken Zähnen und den Folgen für den Köper warnen.
Mitte der 20er-Jahre beschäftigten die Loe-Werke weltweit rund 1000 Mitarbeiter in 27 Niederlassungen beschäftigt. Die Firma hatte auch eigene Kalkstein- und Calcium-Werke und Pfefferminzplantagen. "Um den Verkauf anzukurbeln, wurden alle Register gezogen", erzählt Gubig. 1935 warb die Firma als erste überhaupt an den Außenseiten der Berliner U-Bahnen. Plakate hingen überall in der Welt. Eine elegante Dame mit Pelzkragen, roter Kappe und strahlend weißen Zähnen war über Jahre die Werbe-Ikone der Marke und dominiert auch in der Ausstellung. Fotos zeigen Lieferwagen mit dem Zahnpasta-Logo. Das Segelschiff "Leokrem" schipperte auf der Ostsee als Werbeträger.
Obwohl im Zweiten Weltkrieg Teile der Fabrik zerstört wurden, startete bald die Produktion wieder. 1952 wurde das Werk verstaatlicht. Die Zentrale war bereits im Westen. An der Elbe wurden weiter Zahnpasten entwickelt, die es noch heute gibt. Doch die Marke "Chlorodont" wurde vernachlässigt und in den Westen verkauft.
1996 erwarb Dental die gesamtdeutschen Markenrechte zurück. Heute werden in dem Dresdner Unternehmen mit 110 Beschäftigten täglich 300 000 Tuben Zahncreme hergestellt, so die bereits zu DDR-Zeiten bekannte Zahncremes "Putzi" für Kinder, "elkadent" und "el-ce-med". Dazu kommen am Tag rund 30 000 Flaschen Mundwasser. Der Umsatz lag 2006 bei 39 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte der Produkte (57 Prozent) gehen ins Ausland. Internet: www.chlorodont.de