Brandenburgs neuer Polizeipräsident Arne Feuring spricht aus, was Einwohner in der Grenzregion zu Polen seit Jahren spüren. Die Grenzkriminalität bereite immer größere Probleme. „Es sind erhebliche Steigerungsraten bei Kfz-Diebstählen zu verzeichnen“, schätze er ein. Erfreulich sei im grenznahen Raum dagegen der starke Rückgang der Gewaltkriminalität. Seit dem Beitritt des Nachbarlandes zum Schengen-Abkommen und der Verschiebung der EU-Außengrenze in Richtung Osten haben die von Banden straff organisierten Autodiebstähle massiv zugenommen. 2007 waren es nach Angaben der Polizei rund 2500, im Vorjahr schon rund 4100. Als eine Reaktion hierauf hat Brandenburg vor einem Jahr die Soko „Grenze“ gegründet. Im abgelaufenen Jahr konnten auf Betreiben der 80 Sonderermittler 521 Autoschieber gefasst werden; gegen jeden vierten wurde ein Haftbefehl erlassen.

Gemeinsame Streifen

Als der Bürgermeister von Guben (Spree-Neiße) Klaus-Dieter Hübner (FDP) im Juli aufgrund dieser Situation die Wiedereinführung von Grenzkontrollen an der Neiße gefordert hatte, stieß er zwar auf Ablehnung unter seinen Amtskollegen bis nach Görlitz. Dass Hübner den Finger in die Wunde gelegt habe, war unstrittig. In Sachsen hatte man nach der Polizeireform deshalb auf gemeinsame Kontrollen von Bundespolizei und Zoll gesetzt. „Es haben sich auch die gemeinsamen Streifen von deutschen und polnischen Polizisten bewährt“, erklärt Lothar Hofner, Vize-Sprecher des Dresdener Innenministeriums, gegenüber der RUNDSCHAU. Kfz-Diebstähle seien in Grenznähe inzwischen rückläufig. Die erhöhte Präsenz auch an der Grenze zu Tschechien habe sich gelohnt, wenngleich Hofner einräumt, dass sich der Kfz-Diebstahl ins Landesinnere verlagert habe.

Brandenburgs Polizei hat sich unterdessen vorgenommen, im ersten Quartal 2012 den Verfolgungsdruck zwischen Berlin und der Oder weiter erhöhen. Feuring schickt drei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei in die Direktionen Ost und Süd. Eine Hundertschaft verfügt über 124 Beamte. Zudem soll die Soko um zehn Beamte aufgestockt werden. „Wir können uns als Polizei nicht zurücklehnen, wenn es Klagen der Bevölkerung gibt“, betonte er. Auch deshalb werde hier die Polizeipräsenz erhöht. Feuring hofft, dass bis Ende 2012 der Negativtrend in Sachen Autoklau gestoppt wird. Regionaler Schwerpunkt der Autoschieber ist vor allem Berlin samt Speckgürtel. Hinzu kommen die Regionen um die Autobahnen A 11, A 12 und A 15. „Autoschieber haben es vor allem auf VW-, Audi-, BMW- sowie Mercedes-Fabrikate abgesehen“, sagte der neue Soko-Chef Jens Starigk. Über märkische Straßen werden auch Fahrzeuge aus dem gesamten Bundesgebiet und der EU in Richtung Osten verschoben. Die Strukturen der Autodiebe seien bandenmäßig aufgebaut, sagte der Kriminalrat.

Schützenhilfe für ihre Beutezüge bekommen die Kriminellen von den Autoverkaufs-Portalen im Internet: Dort brauchen sie nur nach den gewünschten Ausstattungsmerkmalen zu schauen. Da oft auch Adressen angegeben sind, können sie gezielt ihre Handlanger in die Spur schicken.

Keine Chance für Diebe

Die grenzübergreifende Kommunikation wird in beiden Ländern mittlerweile als problemlos bewertet. Als effektives Mittel im Kampf gegen Langfinger habe sich der Einsatz von „künstlicher DNA“ erwiesen. Dabei handelt es sich um eine Flüssigkeit, mit der das Auto präpariert werden kann. „Jede eingesetzte DNA ist einzigartig und per Computer nachverfolgbar. Microdots in der Markierung enthalten zusätzlich eine Registriernummer; also keine Chance für Diebe“, sagte Projektleiter Eckhard Strobel.

In einem Pilotprojekt habe die Polizei 500 Starterkits mit der Flüssigkeit in Frankfurt (Oder) verteilt. Warnaufkleber an den Autos machen auf die Markierung aufmerksam. „Alles, was markiert wurde, wurde in Frankfurt (Oder) nicht gestohlen“, sagte Strobel. Das Pilotprojekt soll auf Schwedt (Oder), Eisenhüttenstadt, Guben und Forst ausgedehnt werden.