Seine Militäruniform hat Daniel Ortega längst gegen Jeans und kragenlose Hemden eingetauscht. Dass der Ex-Guerillero und ehemalige Präsident der sandinistischen Regierung (1979 bis 1990) sich aber wirklich verändert hat, bestreiten seine Gegner. "Er hat sich nicht geändert, er verkleidet sich", sagt der von den USA unterstützte Bankier Eduardo Montealegre, der Ortega in der ersten Runde der Präsidentenwahl am Sonntag unterlegen ist. Nach der bisherigen Auszählung der Stimmen ist der Wahlsieg Ortegas so gut wie sicher, denn in Nicaragua ist ein Kandidat gewählt, wenn er mehr als 35 Prozent der Stimmen erhält und mindestens fünf Prozentpunkte Vorsprung vor dem Zweitplatzierten hat.
Während seine Anhänger ihn auf den Straßen bereits als zukünftigen Präsidenten feierten, rief Ortega zur Geduld auf, bis alle Stimmen ausgezählt seien. Sollte es doch noch zu einer Stichwahl kommen, hätte Montealegre vermutlich bessere Chancen als Ortega - der Konservative könnte auf die Unterstützung des gesamten bürgerlichen Lagers zählen. Auf diese Weise hatte Ortega die vergangenen beiden Wahlen verloren: Eine geeinte Rechte verhinderte einen Sieg des Sandinisten 1996 und 2001.
Bereits mit 15 Jahren war der Sohn eines Schusters der Patriotischen Jugend beigetreten, zwei Jahre später schloss sich Ortega der linksgerichteten Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN) an. Sein Jurastudium brach er zugunsten des politischen Kampfes ab. Sieben Jahre saß er unter dem Diktator Anastasio Somoza im Gefängnis.

US-Wirtschaftsboykott
Nach Somozas Sturz versuchte Ortega mithilfe der USA, die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Doch unter Präsident Ronald Reagan lautete Washingtons Devise Wirtschaftsboykott statt Wirtschaftshilfe. Die US-Regierung unterstützte zudem die gegen die sandinistische Revolution kämpfenden Rebellen, die Contras. Bis Sandinisten und Contras 1988 einen Waffenstillstand vereinbarten, starben in dem bewaffneten Konflikt mehr als 50 000 Menschen. Der Widerstand gegen die USA und die von ihnen unterstützten Contra-Rebellen machte Ortega für viele zum Helden.
Trotzdem verlor er die Wahlen im Jahr 1990. 16 Jahre lang kämpfte der "ewige Kandidat" seitdem um die Macht, die er nun offenbar wieder erlangt hat. Dazu scheute er sich nicht, Koalitionen mit seinen ehemaligen Gegnern einzugehen. Sein Kandidat für die Vize-Präsidentschaft, Jaime Morales, ist ehemaliger Contra-Führer. In seinem Wahlkampf legte er alles Militärische ab, sprach viel von Gott und von Jesus. Die Armut im Land will Ortega mit "Liebe, Frieden und Versöhnung" bekämpfen, Nicaragua solle sanfter und gerechter werden. Selbstbewusst verkündet er, die Sandinistische Befreiungsfront habe es "im Bürgerkrieg geschafft, dem Volk Bildung, Gesundheitsversorgung und Arbeit zu bringen - stellen Sie sich vor, was wir ohne einen Krieg schaffen können".

Washington für Montealegre
Die USA machten keinen Hehl aus ihrer Unterstützung für Montealegre. Ortega sei "ein Tiger, der seine Streifen nicht gewechselt hat", sagte der US-Botschafter in Nicaragua, Paul Trivelli. Die US-Regierung fürchtet, dass sich mit Ortega in Nicaragua eine ähnliche Regierung etabliert wie derzeit in Venezuela, wo der Linksnationalist und erklärte Gegner von US-Präsident George W. Bush, Húgo Chavez, an der Macht ist.
Doch auch ehemalige Weggefährten Ortegas wenden sich inzwischen gegen ihn. Der ehemalige sandinistische Minister Edmundo Jarquín, der bei der Präsidentschaftswahl für die Bewegung der Sandinistischen Erneuerung (MRS) antrat, wirft Ortega vor, Großunternehmer zu sein. Er habe von der Privatisierung der Unternehmen profitiert, welche die Sandinisten selber verstaatlicht hatten. Kritiker werfen Ortega zudem einen autoritären Führungsstil vor. Wegen abweichender Meinungen hat eine Reihe prominenter Sandinisten die Partei verlassen oder wurde ausgeschlossen. (AFP/kr)