Das Schlimmste, das sind die Sekunden vor der Krönung. Wenn erst der dritte Platz verkündet wird, dann der zweite. Und dann passiert lange nichts. "Da fängt man natürlich an zu zittern", sagt Lisa Wargulski. Das letzte Mal hat die Studentin am Sonnabend gezittert. Sie ist in Brandenburg an der Havel zur Miss Brandenburg gewählt worden. Im Februar kann sie zur schönsten Frau Deutschlands gekürt werden.

Natürlich ist Lisa Wargulski hübsch. Schlank, hoch aufgeschossen, lange schwarze Haare, große blaue Augen und hohe Wangenknochen. Aber das ist nicht das erste, was auffällt, wenn man sich mit ihr trifft und unterhält. Es ist ihr Selbstbewusstsein. Sie fängt sofort an, das Gespräch zu führen und sagt viele markante Sätze. Diesen hier zum Beispiel über den Miss-Wettbewerb in Brandenburg: "Natürlich bin ich da hingefahren, um zu gewinnen." Und auch zur Miss-Germany-Wahl fährt sie, um zu gewinnen. Sonst bringe das ja nichts, sagt die 24-Jährige.

Und trotzdem: Die BWL-Studentin ist nicht arrogant. Sie weiß, dass selbstbewusstes Auftreten als Model mindestens genauso wichtig ist wie Schönheit. Man müsse sich unterscheiden und abheben von den anderen, sagt Lisa Wargulski. Die Studentin war nicht immer so selbstbewusst.

"Vor fünf Jahren war ich sehr schüchtern", sagt sie. Damals wurde sie als 19-Jährige schon einmal zur Miss Brandenburg gewählt. "Ich habe in den Jahren danach einfach viel erreicht. Darauf bin ich stolz." Damit meint sie zum Beispiel, dass sie nach dem Abitur in Frankfurt (Oder) für eine Ausbildung nach Stralsund gezogen ist und die eher "trockene Lehre" als Sozialversicherungskauffrau drei Jahre lang durchgezogen hat. Sie meint auch, dass sie danach in Wildau angefangen hat, BWL zu studieren. Und vor allem meint sie, dass sie nebenberuflich als Model immer wieder gute und attraktive Aufträge bekommt. Zum Beispiel als Laufstegmodel bei der Fashion Week in Berlin oder für Modenschauen in China. Auch für den extravaganten Glitzer-Designer Harald Glööckler lief sie schon.

Wie lange es noch so läuft, weiß Lisa Wargulski natürlich nicht. "Es gibt Zeiten, da kommen viele Aufträge rein", sagt sie. Aber es gibt natürlich auch Zeiten, in denen sie nicht so oft gebucht wird. Das Modeln sieht sie als guten Nebenjob, den sie noch solange machen will, "solange es eben geht". In drei, vier Jahren sei wahrscheinlich Schluss - das Alter.

Ein Mädchen-Traum war übrigens der Auslöser für ihre Modelkarriere. "Ich habe mit 13, 14 Jahren im Fernsehen eine Miss-Wahl gesehen und dachte, wenn ich später groß bin, will ich so etwas auch machen", sagt sie. Ein paar Jahre später hat sie dann tatsächlich ihren ersten Miss-Titel gewonnen. Sie wurde zunächt zur Miss Potsdam gewählt, wenige Wochen später dann auch noch zur Miss Brandenburg.

Im Sommer wird sie wahrscheinlich ihr Bachelor-Studium an der TH Wildau abschließen. Was dann kommt, weiß sie noch nicht so richtig.

"Entweder mache ich noch ein Master-Studium oder ich suche mir einen Job", sagt sie. Am liebsten im Einkauf oder im Vertrieb. Natürlich in der Modebranche. Dass es damit auch tatsächlich klappt, daran hat sie eigentlich keine Zweifel.