Am Tag nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Matthias Platzeck herrscht bei der Brandenburger Linkspartei eine gewisse Ernüchterung. Denn der Wechsel von Platzeck zu Dietmar Woidke wurde am Montag von der SPD allein verkündet: Der offizielle Pressetermin zur Ablösung in der Staatskanzlei fand nach einer gemeinsamen Sitzung von Fraktion und Landesvorstand statt, im Fraktionssaal der SPD, moderiert von deren Pressesprecher. Und der Koalitionspartner war auf dem Podium nicht vertreten.

"Als stärkste Partei hat die SPD das Vorschlagsrecht für den Ministerpräsidenten", sagt Domres. "Aber wir waren eingebunden, wir wurden informiert, wir haben uns kurzgeschlossen, was die Reaktionen betrifft, und wie man weiter damit umgeht." Es sei den zeitlichen Abläufen geschuldet gewesen, dass die Linkspartei keine eigene Fraktionssitzung einberufen konnte. Aber es habe Telefonkonferenzen gegeben - mit Mitgliedern des Landesvorstands und des Fraktionsvorstands.

Doch zwischen den Zeilen lässt sich interpretieren, dass der Montag für die Linkspartei nicht unbedingt ein Glückstag war. Zumal ganz normale Landtagsabgeordnete der Linken, wie der Cottbuser Jürgen Maresch, erst relativ spät vom Wechsel im Amt des Ministerpräsidenten erfuhren. "Ich war zugegebenermaßen unterwegs, deshalb erfuhr ich es als Erstes aus dem Radio", sagt Maresch. "Wenn ich nicht an den Telefonkonferenzen beteiligt gewesen wäre, hätte ich wohl auch als Erstes über Facebook davon erfahren", sagt Peer Jürgens. "Aber am frühen Nachmittag gab es dann eine Rundmail der Fraktion." Dadurch seien die Landtagsabgeordneten zumindest zeitnah informiert worden.

"Ich würde mir natürlich wünschen, dass es in der kommenden Woche in unserer Fraktionssitzung ein Gespräch mit Dietmar Woidke gibt, damit er uns über seine Positionen als Ministerpräsident Rede und Antwort stehen kann", sagt Jürgens. "Aber ich rechne nicht damit, dass es künftig große Veränderungen in der Koalition gibt, zumal der Koalitionsvertrag ja weiter gilt."

Ähnlich äußert sich auch Thomas Domres. Deswegen werde es auch am 28. August keine Überraschungen geben. "Ich denke, die Abgeordneten der Linkspartei stehen hinter Woidke." Der bisherige Innenminister sei jemand, der die Fraktion und die Partei kenne, und mit dem es bislang "eine vernünftige Zusammenarbeit" gegeben habe. Das könne man auch künftig fortsetzen. Und schon am Montag hatten die Landesminister der Linkspartei, Helmuth Markov, Ralf Christoffers, Anita Tack und Volkmar Schöneburg erklärt, dass sie "die erfolgreiche Koalitionsarbeit mit den Sozialdemokraten weiterführen und die politischen Schwerpunkte des Koalitionsvertrages umsetzen" werden. "Wir werden mit Dietmar Woidke als möglichem Nachfolger Matthias Platzecks weiter vertrauensvoll zusammenarbeiten."