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| 18:51 Uhr

Brandenburg
Jörg Steinbach – von der Uni-Spitze ins rot-rote Kabinett

Regierungschef Dietmar Woidke (l/SPD) stellt in Potsdam den Cottbuser BTU-Präsidenten Prof. Jörg Steinbach als designierten Wirtschaftsminister vor.
Regierungschef Dietmar Woidke (l/SPD) stellt in Potsdam den Cottbuser BTU-Präsidenten Prof. Jörg Steinbach als designierten Wirtschaftsminister vor. FOTO: dpa / Christoph Soeder
Potsdam/Cottbus. Ministerpräsident Woidke präsentierte Cottbuser BTU-Präsidenten als neuen Wirtschaftsminister Von Benjamin Lassiwe

Der Cottbuser Uni-Präsident Jörg Steinbach (parteilos) soll der neue Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg werden. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) stellte den Chemie-Ingenieur am Donnerstagnachmittag auf einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei der Öffentlichkeit vor.

Steinbach stehe für Innovation, Kompetenz und Expertise, sagte Woidke vor Journalisten in Potsdam. „Wir müssen dringend versuchen, Wirtschaft und Wissenschaft enger zusammenzurücken.“ Steinbach habe in beiden Bereichen hervorragende Kontakte. Als Präsident der BTU Cottbus-Senftenberg, die er seit 2014 leitet, sei Steinbach „ein Glücksfall“ gewesen und habe es geschafft, beide Standorte zusammenzuführen.

Steinbach kündigte an, sich weiter für den Strukturwandel in der Lausitz einsetzen zu wollen. „Wenn man an das nächste Jahr denkt, mit den Europa-, Kommunal- und Landtagswahlen: Wenn wir den Prozess des Strukturwandels nicht so gesteuert haben, dass er angenommen und akzeptiert wird, kann man vor den Wahlergebnissen nur Angst haben.“ Eine Diskussion um ein Kohleausstiegs-Datum hält Steinbach selbst für „absolut zu kurz gegriffen“.

„Ein Ingenieur ist geschult, in ganzen Systemen zu denken“, sagte Steinbach, der vor seiner Tätigkeit in der Lausitz Präsident der TU Berlin und davor beim Chemie- und Pharmaunternehmen Schering zuständig für die gesamte Anlagensicherheit war. „Wenn man über einen verkürzten Ausstieg spricht, vergisst man die Finanzierung und Rekultivierung der Bergbaufolgelandschaften“, sagte er.

Zudem dürfe der Kohleausstieg nicht nur auf ein Geld- und Technologieproblem reduziert werden. Aufgrund der Debatte um die Braunkohle habe eine ganze Berufsgruppe ihre Identität verloren. „Es wird eine Aufgabe sein, immer wieder mahnend ins Spiel zu bringen, dass es nicht ein rein rationales Rechensystem ist, sondern eine menschliche Komponente hat, die niemand unterschätzen darf“, sagte Steinbach. Ihm gehe es darum, Vertrauen „in die konventionelle Politik“ zurückzugewinnen, sagte Steinbach. „Dass Menschen wieder Vertrauen fassen zur Parteienpolitik der etablierten Parteien.“

Selbst erklärte Steinbach, von seiner Grundeinstellung her ein „grenzenloser Optimist“ und ein „anatomisch geprägter Mensch“ zu sein: „Mein Herz schlägt links von der Mitte“, sagte der Hochschulpräsident. Er selbst sei politisch von Helmut Schmidt geprägt worden, deswegen könne er sich auch einen Eintritt bei den Sozialdemokraten vorstellen.

Wie genau der Übergang an der BTU gestaltet werde, werde sich erst in den nächsten Tagen gestalten. Steinbach betonte, dass sein Engagement in Potsdam nicht nur bis zu den Landtagswahlen andauern solle. Gerade beim Thema Strukturwandel seien zwölf bis 13 Monate nicht die richtige Zeitperspektive. „Für alle Fälle“ habe er aber eine Option, „auf eine normale Professur“ an der BTU zurückzugehen. „Die große Alternative ist das aber nicht.“